Vor siebzig Jahren begann es

An dieser Stelle hätte ich gerne ein Bild von Angela Merkel oder Vladimir Putin präsentiert. Da ich aber von der Gedächtnisfeier zum 70-Jahr-Jubiläum des Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht photographieren durfte, konzentrierte ich mich eben auf die zahlreichen Reden. Und es hat sich gelohnt.



Vor siebzig Jahren begann es

Zugegeben ich war schon enttäuscht, als es hiess, dass nur ausgewählte Fotografen von der Zeremonie Bilder schiessen durften. Als ich aber im Presse-Center all die vielen Journalisten sah, war mir klar, dass es nicht anders ging. Tja da ich also dies nicht machen konnte, suchte ich mir in der umfunktionierten Fabrikhalle ein Plätzchen, von wo aus ich die Feier über den Bildschirm und mit der Übersetzung anschauen konnte. Der Premierminister von Polen Donald Tusk blickte zu Beginn auf die Bedeutung und Geschichte von Westerplatte hin, an welcher genau vor 70 Jahren um 04:45 Uhr der zweite Weltkrieg ausbrach. Deutlich wies er auch daraufhin, das Polen mit dem Ribbentrop-Molotov-Pakt im Vorfeld ,in verurteilungswürdiger Art zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt wurde. Neben den Kriegsverbrechen auf deutscher Seite prangerte er auch die Verbechen der Sowjets an. Vor allem das Massaker von Katyn. In diesem Wald wurden nach dem Einmarsch der Russen knapp 15 000 Polen erschossen, vor allem Offiziere und Polizisten. Auf dieses heisse Thema ging der russische Premierminister Vladimir Putin nicht ein, räumte jedoch ein, dass solche unmoralischen diplomatischen Machenschaften wie der Pakt zwischen Hitler und Stalin zu verabscheuen sind. Am Anfang seiner Ansprache wies Putin jedoch ein, dass die Sowjetunion mit fast der Hälfte aller Toten den höchsten Blutzoll aller Länder bezahlen musste und so einen eminent wichtigen Anteil an der Befreiung Europas von den Faschisten hatte. Am meisten beeindruckt hat mich jedoch unter all den fesselnden Rede, die Ansprache der Deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. In der schwierigen Situation eindeutig der Schuldige zu sein, verstand sie es auf sehr gekonnte Art, sowohl die Schuld der Deutschen an den zahlreichen Greueltaten und dem vielen Leid ganz klar einzugestehen, jedoch auch aufzuzeigen das Deutschland aus seinen Fehlern gelernt hat und sich sehr bemüht für ein friedliches Zusammenleben in Europa. Dies räumte auch der französische Premierminister François Fillon ein. Und Fillon betonte das vor allem Deutschland schon kurz nach dem Krieg viel unternommen hat und einen grossen Anteil an der heutigen Europäischen Union hat. Neben diesen Ansprachen hatte ich an diesem Tag auch die Möglichkeit zu sehen, wie Auslandskorrespondenten so arbeiten. Und es ist viel weniger glanzvoll als ich mir dachte. Von der eigentlichen Feier bekommen sie nur via Fernseher etwas mit, wenn sie nicht eh an ihrem Laptop recherchieren oder schon die ersten Passagen ihres Artikels schreiben. Ebenfalls sehr spannend waren die ganzen Sicherheitsvorkehrungen: Nicht nur, dass an fast jeder Strassen-Kreuzung Polizisten standen und alle Personen durch den Metalldetektor mussten, ausserdem patroullierten ständig zwei Helikopter am Himmel und vor der Halbinsel war ein Kriegsschiff vor Anker. All dies hinderte unseren Busfahrer jedoch nicht, im gestauten Verkehr den Weg zur nächsten Abzweigung über das Trottoire abzukürzen. Und das unter den toleranten Augen der Polizei.