Vorwärtsstrategie präsentiert

Verwaltungsratspräsident Alters- und Pflegeheime Glarus Süd, zusammen mit Gemeindepräsident Mathias Vögeli und Daniel Dobler, Departementsvorsteher Gesellschaft, die neue Vorwärtsstrategie, mit der das Wohnen im Alter neu geordnet und möglichst nahe an den wirklichen Bedürfnissen der Pflegebedürftigen organisiert werden soll.



Wer die Zahlen anschaut, sieht, dass etwas geschehen muss. Seit 2016 machen die Alters- und Pflegeheime Glarus Süd Verlust, die Belegung an den Standorten Elm und Linthal war 2019 bei nur 73 Prozent – verständlich, dass kein Gewinn herausschauen kann, wenn mehr als ein Viertel der Pflegebetten nicht belegt ist. Gleichzeitig gehört Glarus zu jenen Kantonen, wo die höchste Zahl an wenig Pflegebedürftigen im Alters- und Pflegeheim ist. Würden sie alle sich durch die Spitex betreuen lassen, so wäre die Auslastung noch schlechter. Hinzu kommen die allgemeinen Trends: Zwar gibt es immer mehr ältere Leute, doch diese möchten, so lange es geht, in den eigenen vier Wänden gepflegt werden. Da immer mehr Wohnungen altersgerecht sind – also über zeitgemässe Nasszellen, einen barrierefreien Zugang und gute Isolation und Heizung verfügen – ist das in Zukunft auch verstärkt möglich. Wie also können die Alters- und Pflegeheime Glarus Süd da noch konkurrenzfähig sein, insbesondere, da sie ja an ihren drei Standorten nahezu identische stationäre Angebote haben?

Schwerpunkte bilden

Anstatt Betten abzubauen und Standorte zu schliessen, will man sich, so Dr. Rolf Hanimann und Mathias Vögeli, zu einer Institution zusammenschliessen, die an den drei Standorten eine breitere Palette von Angeboten bereitstellt und im Netzwerk der ambulanten, intermediären und stationären Angebote eng zusammenarbeitet. Alle Dienstleitungen kommen koordiniert aus einer Hand. Dazu arbeiten Spitex, Ärzte, Spitäler, die Physiotherapie sowie paramedizinische Angebote und die kantonalen Fachstellen eng zusammen, sodass im gesamten Areal der drei Standorte eine sinnvolle Entwicklung möglich wird, die sich ergänzt und nicht konkurrenziert.

Heimvorteil nutzen

Dazu sollen Langzeit-Pflegeplätze zu Wohnungsplätzen mit Dienstleistungen und/oder mit Heimvorteil entwickelt werden. Gleichzeitig bildet die Institution Alters- und Pflegeheime Glarus Süd an den drei Standorten verschiedene betriebliche Schwerpunkte. Schwanden soll – ausgehend von der jetzigen Stärke – zum Kompetenzzentrum für Pflege entwickelt werden. Schwanden ist das Zentrum der Institution, hier wird künftig auch die intermediäre Pflege angeboten. Das ist jene Pflege, wo Rückkehrer aus dem Spital gepflegt werden, bevor sie nach Hause gehen, oder wo jene tagsüber gepflegt werden, die abends von den Angehörigen zu Hause betreut werden. In Elm wird – zusammen mit der Spitex – ein Pflegekonzept entwickelt. Im Alters- und Pflegeheim Sernftal sollen auch Angebote für die allgemeine Gesundheitsversorgung Raum finden – also für die medizinische Betreuung des gesamten Sernftals. Dann will man hier vermehrt Alterswohnungen einbauen, wo bei Bedarf pflegerische Dienstleistungen in Anspruch genommen werden können. In Linthal will man mit der allgemeinen Langzeitpflege weiterfahren, es sollen aber auch Wohnformen mit Heimvorteil ins Haus zur Heimat einziehen.

Ideen einbringen

Jetzt, wo die Strategie präsentiert ist, soll und darf sich die Bevölkerung mit ihren Fragen und Anliegen in die Entwicklung einbringen. Einige taten dies bereits am Abend der Information, so etwa Hansjörg Streiff, welcher den Abbau von Leistungen befürchtet und mit Sorge auf die Küchensituation schaut. Christof Schneider befürchtet, dass Elm als Pflegestandort geschwächt wird und weniger ausgelastet sein wird. Zudem rechnete er vor, dass die Alters- und Pflegeheime Glarus Süd bei der derzeitigen Abschreibungspraxis nicht kostendeckend geführt werden können. Mathias Vögeli zeigte ihm auf, was Curaviva Schweiz hier vorgibt, und Dr. Rolf Hanimann stellte in Aussicht, dass mit der vorgelegten Strategie an allen drei Standorten weiter eine Grundversorgung angeboten werden könne. Adelheid Baumgartner fragte konkret: «Wer bestimmt über mich?» Dies dürfte eine der zentralen Ängste sein, nämlich dass man, je nachdem, wie pflegebedürftig man ist, nicht mehr selber wählen kann, wo man gepflegt wird. Hanimann sagte, auch auf die Befürchtungen von Jakob Schneider aus Engi zu Arbeitsplatzabbau, dass das Neue nicht schlechter sein dürfe, als das «was wir haben». Die Heime prüften schon jetzt immer wieder die Prozesse und die Personalpolitik. Karl Stadler fragte nach der konkreten Bedeutung der Strategie. Hanimann legte den Schwerpunkt auf das Alterswohnen mit Dienstleistungen, also auf das wachsende Bedürfnis, zu Hause zu wohnen, aber die Pflege in Griffweite zu haben. Da man weniger Pflegebetten anbieten werde, habe man mehr Raum, um Alterswohnungen zu schaffen. Das biete den Bewohnern die Möglichkeit, wenn es nötig werde, einen wohnungsnahen Pflegeplatz zu bekommen. Zum Schluss bedankte sich Walter Elmer für die Information und fragte nach den Zuständigkeiten. Vögeli erklärte den derzeitigen Aufbau der öffentlichrechtlichen Anstalt und Hanimann sagte, der Verwaltungsrat werde sich mit Fachleuten verstärken und im März 2020 eine Arbeitsgruppe zusammenstellen, welche die konkreten weiteren Projekte ausarbeitet.