Wahlen Glarus Nord

Mit Erstaunen lese ich die verschiedenen Medienberichte zu den Wahlen in der Gemeinde Glarus Nord. Äusserungen von Einzelnen werden verallgemeinert und nicht in einem Gesamtkontext beurteilt. In der bisherigen Berichterstattung fehlen mir andere Sichtweisen, welche es durchaus gibt. Jede Medaille hat zwei Seiten.



Wahlen Glarus Nord

Meine Tätigkeit als Bereichsleiter Finanzen und Beteiligungen habe ich vor 2 Jahren angetreten. Ich kann auf mehr als 40 Jahre Erfahrung in Führungspositionen in der Unternehmensberatung und in nationalen und internationalen Unternehmen zurückblicken. Daher masse ich mir an, meine Einschätzung zur Situation in der Gemeinde Glarus Nord abzugeben. 

Bevor ich mich für die Stelle bei der Gemeinde Glarus Nord im Jahr 2023 entschied, wurde ich von verschiedenen Seiten auf die Stimmung und die hohen Personalwechsel aufmerksam gemacht. Ich bin der 4. (!) Finanzchef innerhalb von 3 Jahren. Auch bei anderen Kaderpositionen gab es viele Wechsel. Das relativiert die Vorwürfe, welche dem heutigen Gemeindepräsidenten gemacht werden, nämlich die hohen Fluktuationen.

An den beiden letzten Gemeindeversammlungen hat der Gemeindepräsident über das Effizienzsteigerungsprogramm informiert. Durch Digitalisierung, Verbesserung von Abläufen und das kritische Hinterfragen von Kosten konnten bereits sehr viele Handlungsfelder identifiziert und teilweise auch umgesetzt werden. Er hat auch betont, dass dies keine «Sparübung» ist, so wie es teilweise dargestellt wird, sondern es geht darum, die Gelder möglichst effizient einzusetzen. Ich denke, das sind wir unseren Steuerzahlern und der angespannten Finanzlage schuldig.

Veränderungen von alten Gewohnheiten können selbstverständlich immer auch Unsicherheiten und Ängste bei Mitarbeitenden hervorrufen. In der Theorie spricht man von verschiedenen Phasen in einem Veränderungsprozess, vom Schock, Verneinung, Einsicht bis hin zur Akzeptanz und Einführung. Dies kann aber immer auch dazu führen, dass nicht alle Mitarbeitenden den Prozess mittragen wollen und die Organisation verlassen. In den Medien erscheint der Eindruck, dass viele Mitarbeitende unzufrieden sind. Ich kann dazu nur sagen: es gibt auch viele Mitarbeitende (ich wage zu behaupten der grössere Anteil), welche – gerade wegen den eingeläuteten Veränderungen –zufriedener und motivierter sind. Eine Sicht auf die Homepage mit den offenen Stellen zeigt, dass diese stark abgenommen haben und viele wichtige Vakanzen besetzt werden konnten.

Der Schlüssel für erfolgreiche Veränderungsprozesse ist eine sehr gute Kommunikation mit allen Beteiligten. In den letzten Wochen wurde der Vorwurf oft gemacht, dass dies ungenügend sei. Veränderungen sind sehr schwierig durchzuführen, es gibt verschiedene Widerstände und es können auch Fehler passieren. Diese sollten aber im Verhältnis zu den Ergebnissen und Zielen betrachtet und nicht einseitig verurteilt werden.

Wie die «Südostschweiz» am 9.2.26 zu Recht schreibt, ist der heutige Gemeindepräsident ein Macher. Es gibt ein Sprichwort vom deutschen Philosophen Manfred Hinrich: «Wer viel tut, macht viele Fehler. Wer wenig tut, macht wenig Fehler. Wer nichts tut, macht den grössten Fehler». Es wäre wünschenswert, wenn hinter diesem Gesichtspunkt auch die Vorwürfe bezüglich den Einwänden zur letzten Gemeindeversammlung betrachtet würden.

Ich hoffe, dass ich mit meinen Ausführungen eine andere Sicht geben konnte. Ich freue mich sehr, dass es eine Auswahl an gut qualifizierten Bewerbern gibt für die Ämter in der Gemeinde. Ich wünsche mir eine sachliche Diskussion und hoffe, dass wir den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen und noch weitere Schritte hin zu einer noch fortschrittlicheren Organisation machen und den Einwohnern von der Gemeinde Glarus Nord einen tollen Service bieten können.