Weiterhin angespannte Finanzlage in den Glarner Gemeinden

Der Regierungsrat nimmt Kenntnis vom Gemeindefinanzrating 2024. Die Situation wird in allen Gemeinden als «angespannt» eingestuft. Die Gemeinde Glarus wird gemäss Finanzhaushaltsgesetz angehalten, das Haushaltgleichgewicht wiederherzustellen bzw. bei der Budgetierung und im Finanzplan darauf hinzuwirken.



2024 wurde in den drei Glarner Gemeinden soviel investiert wie noch nie • Fotomontage: Darko Cetojevic
2024 wurde in den drei Glarner Gemeinden soviel investiert wie noch nie • Fotomontage: Darko Cetojevic

Die kumulierten Jahresrechnungen der Glarner Gemeinden weisen für das Jahr 2024 einen Ertragsüberschuss von 2,7 Millionen Franken aus; ohne Einlagen in die finanzpolitische Reserve hätte dieser sogar rund 20 Millionen Franken betragen. Dennoch entsteht infolge der umfangreichen Investitionen bei allen Gemeinden ein Fehlbetrag. Folglich steigt die Verschuldung weiter an. Die finanzielle Situation aller Gemeinden wird wie im Vorjahr als «angespannt» eingestuft.

Überblick der Finanzsituation in den drei Glarner Gemeinden

  • Die Gemeinde Glarus weist erneut ein Defizit aus, weshalb die Gemeinde die gesetzliche Vorgabe eines mittelfristigen Ausgleichs der Erfolgsrechnung deutlich nicht erfüllt.
  • Die Gemeinde Glarus Nord erzielt einen hohen, liquiditätsneutralen Buchgewinn aus der Folgebewertung der Immobilien, der den Finanzierungsfehlbetrag gering hält. Die Nettoschuld ist stabilisiert, während die Bruttoverschuldung erheblich steigt.
  • Die Gemeinde Glarus Süd verbessert die Ertragslage der Erfolgsrechnung, während das Investitionsprogramm weiterhin auf sehr hohem Niveau bleibt.

Die Finanzprognosen 2026–2029 lassen erkennen, dass die Glarner Gemeinden durch gezielte Massnahmen eine nachhaltige Stabilisierung ihrer Haushalte anstreben.

Investitionstätigkeit und Schulden auf Höchstniveau

Mit rekordhohen Nettoinvestitionen von 51,1 Millionen Franken wurde der Vorjahreshöchstwert von 47,3 Millionen Franken nochmals übertroffen. Die starke Investitionstätigkeit führt zu einem Anstieg des Verwaltungsvermögens sowie des Fremdkapitals um insgesamt rund 40 Millionen Franken. Die Nettoverschuldung der drei Gemeinden beläuft sich per Ende des Berichtsjahres auf 62,4 Millionen Franken (+18,8 Mio. Fr.). Als Gradmesser für die Verschuldung weist der kantonale Durchschnitt eine markante Zunahme der Nettoschuld pro Einwohnerin und Einwohner um 432 Franken auf 1484 Franken aus. Das entspricht einer mittleren Verschuldung. Die höhere Zinsbelastung infolge der gestiegenen Verschuldung ist erkennbar, bleibt jedoch aufgrund des tiefen Zinsniveaus tragbar. Mit zunehmender Verschuldung steigt allerdings das Zinsänderungsrisiko und damit die Gefahr einer rasch wachsenden finanziellen Belastung bei steigenden Zinssätzen.

Die Finanzlagen bleiben angespannt

Alle Glarner Gemeinden weisen eine Nettoverschuldung auf und die Nettoinvestitionen übersteigen die selbst erwirtschafteten Mittel, sodass Finanzierungsfehlbeträge durch Fremdmittel gedeckt werden müssen. Der Anstieg des in der Bilanz ausgewiesenen Fremdkapitals innert Jahresfrist um 38,6 Millionen Franken unterstreicht die fortbestehende Abhängigkeit der Gemeinden von externen Finanzmitteln. Insgesamt zeigt das Gemeindefinanzrating 2024 bei den Finanzkennzahlen aber eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr.

Budget 2026 und Finanzplanungen 2027–2029 der Glarner Gemeinden

Mit den Budgets 2026 und den Finanzplanungen 2027–2029 haben die Gemeinden den Haushaltsrahmen festgelegt und den finanziellen Handlungsspielraum für die kommenden Jahre bestimmt. In den Jahren 2026–2029 werden kumulierte Ertragsüberschüsse von über 10 Millionen Franken erwartet: Glarus Süd und Glarus Nord zeigen durchgehend positive Ergebnisse, während Glarus in den Finanzplanjahren auf finanzielle Reserven angewiesen bleibt, um die Rechnung auszugleichen. Glarus Süd und Glarus Nord sind damit auf Kurs, um das mittelfristige Haushaltsgleichgewicht zu erreichen.

Die Verschuldung der Glarner Gemeinden steigt trotz Stabilisierungsmassnahmen bis 2029 weiter an, da die Investitionen nicht vollständig aus eigenen Mitteln der Erfolgsrechnung finanziert werden können. Dank der tiefen Zinssätze werden die Refinanzierungskosten die Erfolgsrechnung nur moderat belasten. Das Zinsänderungsrisiko nimmt jedoch weiter zu. Zur Wahrung der finanziellen Handlungsfähigkeit setzen die Gemeinden auf Spar- und Effizienzmassnahmen sowie auf gezielte Priorisierung und Verschiebung von Investitionen.