Weltmeister der Herzen

Exklusiv für glarus24 gibt ein Glarner Volunteer einen etwas andern Einblick rund um die Eishockey-WM und den Spielort Zürich. Dritter und abschliessender Teil.



Im friedlichen Einsatz und als «Resultatverkünder» (Bilder: willi baumgartner)
Im friedlichen Einsatz und als «Resultatverkünder» (Bilder: willi baumgartner)

Die tolle Heim-WM ist mit einer grossen Enttäuschung zu Ende gegangen. Der Goldtraum ist nach der Finalniederlage gegen Finnland ausgeträumt und das grosse Wunden lecken hat begonnen. Das ist der sportliche Aspekt. Aber es gibt auch einen andern, und darin schwingen wir haushoch obenaus: Die Schweiz und mit ihr ein tolles Publikum sind die Weltmeister der Herzen.

Rund um den Sport mitgeholfen

Leute aus allen Schichten und Herkunftsländern haben sich an den beiden Spielorten zur Verfügung gestellt. Darunter auch einige Glarner, wie z.B. zwei Gabelstaplerfahrer, ein anderer in der Entsorgung Fanzone, zwei im Sicherheitsdienst. Oder die Eishockey-TV-Moderatorin Daniela Milanese; Gian Gilli als «Head of Happiness»; Hansruedi, Stadionsprecher des EHC Arosa; Reto, aktiver Spieler des HC Ajoie als Betreuer des US-Teams oder Peter, ein ehemaliger VR des EHC Kloten. Aber auch etliche, umsichtige, kompetente Volunteer-Vorgesetzte (z.B. Florian, Alex, Richi) aus dem Polizeidienst oder der Delta Group (Michi, Ralph).

Das OK sagt danke mit Worten, Bastian Baker mit einem Live-Konzert

Die Liste ist endlos, wer sich in den vielfältigsten Jobs zur Verfügung gestellt hat und in der vergangenen Zeit zu einem Team zusammengewachsen ist! Und die Arbeit der Volunteers an der Heim-WM wurde nicht nur von vielen Eishockey-Fans entsprechend geschätzt. Gian Gilli, Nati-Direktor Lars Weibel, die beiden verletzten Nati-Cracks Kevin Fiala und Andrea Glauser, OK-Generalsekretär Christian Hofstetter oder auch Patrick von Gunten, Leiter Sport und Leiter Veranstaltungsort, äusserten sich an der Abschiedsveranstaltung der Freiwilligen beeindruckt über die Leistungen. Aus 20 Nationen, im Alter von 18 bis 81 Jahren und in 26 Ressorts, wurden von diesen 1950 Freiwilligen (1150 in Zürich und 800 in Fribourg), 203 000 Stunden geleistet, was einem Non-Stop-Einsatz jedes Einzelnen von 23 Jahren entspricht.

Keine zwergenwüchsige Figur der nordischen Sagenwelt

Rund um die 64 WM-Spiele ist ein Blick auf das Objekt der Begierde noch spannend. Der Puck ist das Spielgerätvon 10 Feldspielern, welche auf dem Eis einer kleinen Hartgummischeibe hinterherjagen. Doch was ist eigentlich genau ein Eishockey-Puck?
Die tschechische Firma Gufex hat für die Weltmeisterschaft in Zürich und Freiburg über 10 000 Scheiben gebacken – so wird die Vulkanisierung des Gummis umgangssprachlich genannt. Zuerst presst eine Maschine die Gummistücke in die richtige Form, bevor sie dann während zwölf Minuten bei 184 Grad Celsius gebacken werden. Bis die Pucks vollständig abgekühlt sind, dauert es 24 Stunden. Nach dem Wegschneiden des Restmaterials ist die Scheibe exakt 170 Gramm schwer, 2,54 Zentimeter hoch und weist einen Durchmesser von 7,62 Zentimetern auf. Das sind die offiziellen Vorgaben der IIHF.
Die meisten der ausgelieferten Pucks in die Schweiz sind als Souvenirs oder fürs Training bestimmt. Nur 510 sind echte Hightech-Scheiben, die bei den Spielen eingesetzt werden. Sie haben einen eingebauten Chip. So kann der Hockeyverband beispielsweise Schussgeschwindigkeiten messen. Diese Technologie wird nun bereits seit drei Jahren eingesetzt. Seither sind auch Spieler auf dem Eis mit einem Chip ausgestattet, damit ihre Bewegungen genau aufgezeichnet werden können.

Euphorie und nichts als Euphorie

Die Eishockey-WM hat einmal mehr bewiesen, was zuweilen bei Olympischen Spielen oder anderen Grossanlässen vermisst wird: Mit oder ohne Eintrittstickets trifft man sich auf der Fanmeile zum gemeinsamen Feiern. Das hat im Eishockey eben Tradition. Keine Klagen über exorbitante Ticketpreise, kein Ärger über einen selbstherrlichen Präsidenten, keine Trittbrettfahrer, welche mit drastischen Preiserhöhungen den grossen Gewinn machen wollen. Und vor allem keine Fanausschreitungen, obwohl rund um den Anlass von der ersten Minute an eine riesige Euphorie entstanden ist. Bezeichnend und sehr sympathisch in diesem Zusammenhang das Polizeifahrzeug auf dem Weg zum Bahnhof Altstetten. Einsam steht es da und orientiert über den jeweiligen Spielstand in der Swiss Life Arena.
Schon bei der Frauen-Fussball-EM im vergangenen Jahr hat die Schweiz bewiesen, dass sie Grossanlässe in Festspiele verwandeln kann. Die Eishockey-WM hat da nahtlos angeknüpft.
Die Fans aber auch die vielen Freiwilligen, ohne diese ein solcher Grossanlass gar nicht durchgeführt werden könnte, verdienen sich die Goldmedaille, welche der Schweiz nach einem tollen Turnier zum dritten Mal in Serie verwehrt blieb.

Ich bin froh, nebst meinem Job als Volunteer die Gelegenheit bekommen zu haben, auch etwas hinter die Kulissen zu schauen.