«Wem gehört das Saatgut?»

Die diesjährige Kampagne von «Brot für alle»/«Fastenopfer» und «Partner sein» ist eröffnet. Zum Startanlass hatten die Reformierte Landeskirche, das Katholische Dekanat Glarus und Bio Suisse, in deren Namen Kirchenrätin Pfarrerin Christina Brüll die Anwesenden begrüsste, neben Interessierten aus den Kirchgemeinden auch Vertreterinnen und Vertreter des Bauernverbandes Glarus eingeladen.



«Es wird kompliziert!» eröffnete François Meienberg von ProSpecieRara seinen Vortrag. Und er sollte recht behalten. Was mit einem heiteren Quiz über die Herkunft bestimmter Gemüse und Obstsorten begann, fand seine Fortführung in einem Vortrag über Saatgutverträge, Patentgesetze, geistiges Eigentum, Grosskonzerne und Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.

Er stellte dabei zunächst Saatgutverträge vor, bei denen sich 150 Mitgliedstaaten verpflichtet haben, bäuerlichen Betriebe zu stärken. Bäuerinnen und Bauern bräuchten Rechte. Jeder Staat solle bedacht darauf sein, die genetische Vielfalt des Saatguts und das Wissen darüber zu erhalten. Dazu müsse es möglichst frei getauscht und auch verkauft werden dürfen. Nur so könne die Vielfalt erhalten bleiben.

Dem freien Umgang mit Saatgut setzen aber Freihandelsabkommen, Eigentumsrechte und Patente Grenzen. Indem immer mehr Grosskonzerne ihre Rechte auf Saatgut geltend machen (weltweit liegt ein Grossteil des gebräuchlichsten Saatguts in den Händen von drei Grosskonzernen), werden immer mehr Kleinbauern auf der ganzen Welt ihrer Möglichkeit beraubt, mit ihrem eigenen Saatgut Handel zu treiben, Sorten zu kreuzen und Saatgut zu tauschen. Freihandelsabkommen bedeuteten zunächst einmal, dass importierende Länder die Einfuhrzölle senken. Das sieht zunächst positiv aus. In der Realität hiesse dies aber oft, dass die Länder, die Waren einführen wollen, in ihren Ländern Gesetze dahingehend ändern müssen, dass ihre Bäuerinnen und Bauern nicht mehr so handeln dürften wie früher. Damit gehen nicht nur Traditionen verloren, sondern diese Entwicklung hat einen grossen Einfluss auf die Ernährungssicherheit.

Es war tatsächlich eine schwere Kost, die François Meienberg servierte, aber es gelang ihm mit seinem sehr lebendigen Vortrag das zahlreich erschienene Publikum zu fesseln. Eine rege Diskussion folgte, bevor sich die Anwesenden bei einem feinen Apéro stärken konnte, den der Claroladen offerierte.