Um 18.30 Uhr trafen die Sängerinnen und Sänger zum Einsingen ein. „Genau wie im Sport, da muss man sich auch aufwärmen“, meinte der Dirigent Christoph Kobelt und legte los. „Figaro, Figaro, Figaro“ und „sososo – hoho“ klang es da aus 40 Sängerkehlen.
Alle Instrumente aus der Barockzeit
Das Orchester „ad fontes“ besteht aus lauter Musikern, die sich auf das Spiel mit Instrumenten aus der Barockzeit spezialisiert haben. Drei Naturtrompeten, Querflöten aus Holz, „alte“ Oboen und eine Truhenorgel sind mit dabei. Die Kontrabassisten spielten am Freitagabend in Berlin und reisten noch in der Nacht zurück in die Schweiz. Am Samstag nehmen sie an den Proben teil.
Kurz vor 19.00 Uhr wurden die Instrumente gestimmt. Weil sie aus der Barockzeit stammen, spielen die Musiker das Werk einen Halbton tiefer. Als das Durcheinander der Töne, das man von Konzerten her kennt, verstummt war, meldete sich Christoph Kobelt zu Wort: „Ich möchte alles einmal spielen. Fangen wir mit dem „Kyrie eleison“ an!“
Intensive Probenarbeit
Nachdem das „Kyrie eleison“ verklungen war, wollte Kobelt bei Takt 50 noch einmal einsetzen. „Die Bläser sollten stehend spielen“, sagte er. Das „Christe eleison“ war rein instrumental, und der Chor setzte sich hin. Das „Gloria in excelsis Deo“ klang zuerst schwungvoll-lebhaft, wuchtig und vielstimmig, dann wieder langsam und melancholisch, bevor es wieder an Lautstärke zunahm. Eine Violinistin stiess noch hinzu und musste in die Reihe ihrer Kolleginnen „gequetscht“ werden. „Die Altistinnen haben einen Vorteil: Ihr habt die Bratschen in eurer Nähe!“, liess sich der Dirigent vernehmen. Und: „Wo wollen wir das Horn hintun?“
Fussball-Europameisterschaft drang herein
Öfters wies er auf die Dynamik hin: „Versucht, an den leisen Stellen zu arbeiten“, denn die Piani schienen ihm noch nicht genügend piano. „Noch einmal zweite Fugendurchführung, Takt 70!“, und sogleich setzte das Orchester ein. Von draussen hörte man, dass die Italiener mit ihrem 1:1 gegen die Rumänen zufrieden waren, und drinnen erklang das „Crucifixus“. Nach dem Schlussakkord kam ein neuerlicher Ausbruch, und der nächste Teil erklang. Alsbald ging man in die 20-minütige Pause. Viele schnappten frische Luft auf der Treppe vor dem Hauptportal der Stadtkirche.
Johann Sebastian Bach: Die h-Moll-Messe (mit dem Glarner Singverein und dem Orchester „ad fontes“ unter der Leitung von Christoph Kobelt).
Stadtkirche Glarus, Sonntag (15. Juni 2008), 17.00 Uhr.






