Wenn Farben streiken und schreiben …

Wie soll man sich in der unglaublichen Vielzahl von Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt noch zurechtfinden? Was soll gekauft werden? Was interessiert und führt zum Verweilen zwischen Buchdeckeln und Seiten, die zuweilen so Reizvolles, Bewegendes, Glückseliges, Humorvolles, dann wieder gar Problematisches, Unliebliches, Trauriges, Unerwartetes, Utopisches, Fiktives oder Wahres enthalten? In solchen Momenten ist das Hinführen durch kompetente Personen sehr willkommen.




Derartigen Wünschen trug das Team der Kulturbuchhandlung Wortreich an der Abläschstrasse in Glarus mit Geschäftsführerin Christa Pellicciotta, der Fachfrau Brigitte Lusti und der im dritten Lehrjahr stehenden Johanna Lehmann bereits zum dritten Mal Rechnung. Begrüsst wurden alle gleichermassen herzlich an der kleinen, feinen Bar. Bald setzte man sich an eines der kleinen Tischchen – wobei bald einmal mehr dazukamen, so gross war die Zahl der Besuchenden. Bücherlisten und Schreibzeug wiesen klar aufs aktive und aufmerksame Hinhören und Notieren hin. Nach der freundlichen Willkomm machte Brigitte Lusti einen wahren Stapel an Neuerscheinungen bereit, ein klein wenig erschrocken über die persönlich ausgewählte Vielzahl. Sie führte enorm kompetent, knapp andeutend, Hauptsächliches hervorhebend durch Vielschichtiges zu ganz verschiedenen Titeln und Themen wie Mutter-Kind-Beziehungen, Biografisches, berührende Schicksale von Waisenkindern, soziale und wirtschaftliche Probleme. Anderes erforderte kriminalistischen Spürsinn. In einem Fall, so Brigitte Lusti, müsse man alles nochmals lesen, um die Lösung rauszufinden. Dass die persönliche Liebe zwischen israelischen und palästinensischen Menschen nicht konfliktfrei verläuft, dass Meere, ferne Welten und Städte eine unter absurden Vorzeichen angeklagte Frau aus einem arabischen Land sich beeindruckend geschickt und überzeugend selber verteidigt, waren einige der vielen Informationen, denen mit viel Interesse gefolgt wurde. Natürlich wurde nie alles verraten, was im jeweiligen Buch stand, das wäre der Kauflust abträglich gewesen.

Johanna Lehmann befasste sich in knapper Form mit zwei Werken und dem inhaltlichen Reichtum. Christa Pellicciotta wandte sich Kinder- und Jugendbüchern zu. Viele hatten das bedrückende Thema «Flucht» zum Inhalt. Wieder anderes weckte Interesse, weil beispielsweise die Illustrationen einfach toll waren und das gewählte Thema gar viel Lust am Stöbern weckte. Dass sich Farben schreiben, hat gewiss Seltenheitswert. Oder dass der Johnny Himmelblau halt so heisst, weil er drauflosfabuliert wie kaum jemand anders, ist eigentlich verständlich. Befassen konnte man sich in diesem Erzählteil auch mit einer grünen Bande von Papageien, einem Schmetterling, der mit dem Fuss aufstampft, einer Maus, die durch den Weltraum zum Mond reist oder noch einem Fall des Kommissars Gordon. Und ob man dann beim Schmökern das auswählte, was einen beim ersten Hinhören grad gepackt hatte, zeigte sich spätestens beim geruhsamen Durchlesen in den eigenen vier Wänden.