Beim Übertritt von der Primar- in die Oberstufe werden die Karten neu gemischt: Neuer Schulort, neue Lehrpersonen und vor allem neue Mitschülerinnen und Mitschüler. «Viele Jugendliche begegnen der neuen Situation mit Unsicherheit», weiss Alexandra Greeff. Die Lehrerin an der Oberstufe Buchholz startete deshalb im letzten August ein spezielles Projekt: Die Klasse sollte gemeinsam ein eigenes Logo entwickeln.
Gleichzeitig ging es darum, dass sich die acht Mädchen und neun Jungs näher kennenlernen und als Gruppe zusammenfinden. Die Inspiration dazu kam Greeff am ESAF 2025 Glarnerland+ – nicht wegen des Anlasses, sondern wegen der vielen Produkte mit klaren Logos. «Ich fand spannend zu sehen, wie stark solche Zeichen wirken können – und wollte das mit der Klasse ausprobieren.»
Fische begrüssen sich
Als die Jugendlichen nach Ideen für ein Klassenlogo gefragt wurden, warf ein Mädchen das Wort «Haifisch» in die Runde. «Einfach weil sie seit früher Kindheit riesiger Fan dieses Tieres ist.» Auf dem Heimweg entstand bei Greeff daraus über «Hi Fish» das Bild von zwei unterschiedlichen Fischen, die sich ein «High Five» geben. Ein Schüler machte daraus schliesslich «High Fish». «Ich mag die Idee, dass bei solchen Begegnungen kleine Glücksmomente entstehen – gerade wenn man unterschiedlich ist», so Greeff.
Von der Kunst des Weglassens
Gemeinsam mit der Lehrerin für Bildnerisches Gestalten – Jessica Loi – wurde aus der Grundidee das eigentliche Logo entwickelt. Zuerst suchten die Schülerinnen und Schüler nach unterschiedlichen Fischarten, die sich spannend kombinieren lassen. Gar nicht so einfach war dann die Frage, was man weglässt. «Das Schwierigste war nicht das Zeichnen an sich, sondern das Vereinfachen. Ein Logo muss sofort wirken – da gibt es keinen Platz für einzelne Schuppen», beschreibt es Loi. Das zeigte sich auch bei den ersten Versuchen im Linolschnitt.
Vom Papier aufs Badetuch
Gleichzeitig zu diesen Arbeiten machte sich Greeff Gedanken, wo und wie das Logo für die Jugendlichen präsent sein könnte. Da Fische bekanntlich im Wasser leben, fiel die Wahl schnell auf ein besticktes Badetuch. Bei der Anfrage war die Weseta Textil AG sofort offen und bereit, das Projekt zu unterstützen. Das Unternehmen mit Sitz in Engi und Weberei in Niederurnen produziert Frottierwaren wie Badetücher.
«Dass eine Firma so offen auf unsere Idee eingeht, war nicht selbstverständlich. Für uns war das extrem motivierend», sagt Greeff. «Plötzlich ist das Projekt nicht mehr nur Schule.»
Die Zusammenarbeit eröffnete für Greeff eine weitere Dimension: Das gestaltete Badetuch steht sinnbildlich für die Textiltradition des Kantons – auch wenn kein klassisches «Glarner Tüechli» mit Tropfenmuster entsteht. «Unsere Idee verbindet sich mit der Glarner Tradition – und diese lebt weiter», sagt Greeff. «Mir war wichtig, dafür eine lokale Textilfirma einzubeziehen, die sich derzeit neu ausrichtet.»
Feierliche Übergabe
In der Woche vor Ostern war es dann so weit: Die Klasse besuchte das über 160 Jahre alte Unternehmen in Engi. Anita Borschberg, Chief People and Communication Officer, und Zlatko Donev, Head of Production, begrüssten die Jugendlichen in den ehrwürdigen Räumlichkeiten, berichteten über die wechselhafte Geschichte einer der letzten Textilfirmen im Kanton Glarus und führten sie anschliessend durch Lager und Konfektion. Hier konnten die Mädchen und Jungen selbst Hand anlegen und ihre Initialen auf ein Seiftuch sticken.
Nach einem kleinen Imbiss folgte der Höhepunkt: Zusammen mit Caroline Herrmann, die das Projekt bei Weseta betreute, überreichte Anita Borschberg allen Jugendlichen ein persönliches Badetuch mit eingesticktem Klassenlogo – jedes in einer eigenen Farbe. «Es endlich in den Händen zu halten, war auch für uns ein spezieller Moment und zeigt, was aus einer einfachen Idee im Team entstehen kann», so Borschberg.
«Auf dem Weg»
Der Abschluss steht mit dem gemeinsamen Badi-Besuch noch aus. Perfekt war das Miteinander in der Klasse nicht – aber genau darum geht es ja. «Wir sind da auf einem Weg», sagt Greeff. «Und vielleicht helfen solche Projekte, dass man sich ein Stück näherkommt und merkt, wie wichtig Vertrauen und ein respektvoller Umgang sind. «Wir werden in den nächsten Jahren sicher noch oft gemeinsam baden gehen.»

























