Wenn Theseus, Hyppolita, Hermia, Demetrius, Lysander, … der Sommernachtstraum

Die Vorankündigung zu den Geschehnissen in Skaespeares Sommernachtstraum – auf dem Sportplatz bei der Kanti Glarus gar leidenschaftlich, lustbetont und listenreich gespielt vom Ensemble des Theaters Kanton Zürich – war derart, dass man absolut Verwirrliches zu erwarten hatte. Und irgendwann würde sich alles so ergeben, wie es vom sprichwörtlich gütigen Schicksal mehr oder weniger zu erwarten war.




Alles dreht sich um Liebe, Eifersucht, glühende Hingabe, schroffe Ablehnung, kindliche Freude, verzehrende Sehnsucht, Zauberei, blindwütige Verliebtheit. Theseus, Regent von Athen, steht unmittelbar vor der Vermählung mit Hyppolita, Königin der Amazonen. Bis zur Hochzeit soll es noch vier Tage dauern. Die exakt gleich lange Zeitspanne gibt er seiner Tochter Hermia vor. Nach dem Willen ihres Vaters soll sie den von ihr gehassten Demetrius ehelichen. Ihr Herz schlägt aber für den heissgeliebten Lysander, der Vater droht ihr im Falle einer Abkehr grad mit dem Tod. Hermia gehorcht ihrem leidenschaftlich schlagenden Herz, ihre Wahl fällt – wen wundert es – auf Lysander, hin und wieder liebevoll «Lysi» gerufen, der im Rausch der Zärtlichkeiten mit «Hermi» reagiert. Die zahlreichen Sprachspielereien und leidenschaftlich deklamierten Verse haben es übers ganze Stück hinweg in sich. Das gerät so wunderbar theatralisch, so unermesslich leidenschaftlich, so blumig überzeichnet – die Summe aller Gefühle, wachsend auf und aus dem waldähnlichen Bühnengrund, dringt tief in die Herzen der Theaterfreunde, die sich unter freiem Himmel versammelt haben.

Hermias Freundin Helena himmelt Demetrius an, leitet ihm sogar Hermias intimste Geheimnisse weiter, was dem Wecken rasender Eifersucht gar nicht abträglich ist. Unterdessen ist Hermia mit ihrem Lysi in den Schutz des Waldes geflüchtet. Aber – im dunkeln Forst treibt der Waldgeist Puck als tüchtiger Gehilfe des Elfenkönigs Oberon sein Unwesen. Und es kommt hinzu, dass Oberon mit seiner Gattin Titania mächtig Streit hat. Er möchte ihr eins auswischen. Und das lässt sich für Waldgeister recht leicht bewerkstelligen. Man besorgt sich eines der Zauberkräuter, dessen Wirkung ein veritabler Geist natürlich kennt. Die Wirkung des Krauts ist derart, dass man sich nach dessen Einnahme rettungslos in den Erstbesten verliebt, den man nach dem Erwachen erblickt. Ob das gut oder eher negativ kommt, erlebt «Zettel» als erstes Opfer. Er gehört zu einer Gruppe von Theaterbegeisterten, die im Wald das Stück «Pyramus und Thisbe» einstudiert.

Puck hat zudem die Aufgabe, mithilfe des Krauts die zerstrittenen Liebhaber zu versöhnen. An Konfliktstoff mangelt es wahrlich nicht. Die immensen Wogen der Gefühle auszuspielen ist hohe Kunst. Unter Regie von Elias Perrig entwickelte sich alles in zuweilen rasendem Tempo, mit riesiger Inbrunst, Kraft, verzehrender Hingabe, inmitten einer kreativen Vielfalt, die beim Publikum gut ankam, viele Lacher und genussreiches Mitvollziehen provozierte. Es war eine riesig gute Reise in eigentlich weit Zurückliegendes, das aber nie vergänglich ist, denn derartige Gefühlswelten werden immer wieder vorkommen, nicht gerade mit den ausgespielten Irrungen und Verwirrungen – aber eine kleine Portion Herzschmerz wird sich bei verschiedensten Menschen einfach so ergeben.

Damit endete das vielfältige Angebot der Verantwortlichen der Kulturgesellschaft Glarus. Was in der kommenden Saison angeboten wird, ist mit der Durchführung der Mitgliederversammlung am 21. Juni im Freulerpalast Näfels zu erfahren.