Die 570 Sitzplätze seien – so Paul Aebli, Präsident der gar ideenreich planenden und realisierenden Gemeindestube – noch schneller weg gewesen als die ominösen frischen Weggli. Der Besucherandrang war dann auch gewaltig, erstaunlich und erfreulich zugleich auch die altersmässig auffällige Durchmischung des erwartungsfrohen Publikums. Auslöser des immensen Interesses war das Duo Divertimento, genauer Johnny Fischer und Manuel Burkart, nunmehr seit zehn Jahren unterwegs, in der Kabarettszene erfolgreich etabliert. Der hohe Bekanntheitsgrad und die Beliebtheit der Comedians sprengt doch einige Grenzen.
Sie biedern sich beim Publikum mit ihrem umwerfenden Wortwitz, dem Auftreten, das eine gute Vernischung bewährter Unterhaltungskunst darstellt, den rasch wechselnden Szenen, gern Gehörtem, gesanglicher Begabung, gekonnt gesetzten sprachlichen Pointen und einem irren Ausmass an Imitieren, erneutem Aufgreifen schon tüchtig belachter Pointen und leichten Blödeleien in Szene. Und wohl alle hören es gerne, auch wenn sie es bereits einmal – vielleicht im Vorjahr – schon einmal vernommen haben. So geraten Teile der zuweilen rasant ausgespielten Szenen zum Déjà- vu, das man mit Genuss und Vergnügen nochmals mitverfolgt. Derartiges gehört auch zur Kunst der gekonnten, nicht immer hochkarätigen Unterhaltung. Die beiden Comedians praktizieren eine muntere, spürbar erfolgreiche Vermischung von Tratsch, munteren Sticheleien, gesanglichen Hits, liebenswürdigem aber deutlichem Nachahmen des albanischen Bewohners von Spreitenbach West, Strassenmusik mit allerliebsten Feinheiten, Zerreden von Fakten, Mimen des Unentschlossenen, zärtliches Telefongespräch, nörgelndem Bären und Bauchredner, Auftritt des leicht bedepperten Securitys an der Sicherheitsschleuse im Flughafen. Damit haben sie die Lacher mit Garantie sehr bald nach Aufführungsbeginn auf ihrer Seite – man kennt sich, weiss um die Gestaltungskunst, ums reichhaltige Fabulieren, weiss auch, dass Primitives nicht aufkommt, dass die Schenkelklopf-Mentalität wohltuend wegbleibt.
Alles beginnt am Gate 10, im Jubiläumsjahr wollen Johnny und Manu weg, auf eine ganz besondere Reise. Aber wie es halt so ist: Falsches wurde eingepackt, man ist zu spät beim Einchecken, das Flugzeug hat eine Panne. Die aufs jeweilige Geschehen einstimmenden Szenen werden als Kurzfilme mit gar munterem Inhalt auf die Leinwand projiziert. Und weil man warten muss, erzählt der eine von den Schwächen und Macken des andern, seien es nun die Schwierigkeiten mit den Ketchup-Beutelchen oder mangelnde Entscheidungskompetenzen, die sogar pränatal diagnostiziert worden sind. Man kommt zu den Namen, Johnnys Taufname ist Jonathan, weltweit gar gut tönend, Manu kann nicht mithalten. Er wird – wieder einmal – weinerlich. Und alsobald ergibt sich eine Annäherung an die holde Dame an der Auskunft, gar gute Düfte werden über Gebühr gelobt. Es ist in solchen Momenten Nonsens der gehobenen Art. Allein wie die Strassenmusiker ihren Werdegang vorstellen und ihre Instrumente präsentieren, kann dem zugeordnet werden, ebenso der Empfang des russischen Ölmagnaten durch ein Militärspiel und die dazu gehörende Übersetzung der Grussbotschaft. In einer weiteren Nummer geht es um die Verleihung von Filmpreisen an die Regisseure von«CIA Züri Oberland» und «Medical Hero». Nun wird das Ehepaar Fischli aus Mollis ins Geschehen einbezogen und in der Folge oft zitiert, in nicht immer gleich feiner Art. Als Duo Hully und Gully treten die beiden Starsänger mit dem Schlager «Egal was da kommt» auf, wieder sind beide wahnsinnig in ihrem Element. Ihre Vielseitigkeit blitzt auf. Die Meister der Situationskomik haben wieder gepunktet, tun es grad nochmals als gurrendes, keifendes Taubenpaar mit nicht so wohl geratenen Kindern und eindeutigem Migrationshintergrund, bewähren sich in der Swiss-Talentshow, versuchen als Fredi und Bär Knut den Gang auf die grossen Bühnen und lehnen sich da leicht an Kliby und Caroline an, legen als heftig beklatschter albanischer DJ und ungelenker Security mit ungeheuer vielen Beschäftigungen los, singen «Alli mini Äntli» in opernreifer Qualität und teilen Deutschen nicht nur Komplimente aus. Und nach dem Schlussapplaus folgt das Lied, das Dank und beste Wünsche für eine unfallfreie Heimkehr zum Inhalt hat.
Kolumne: Ab auf die Insel

























