Flechten sind keine Pflanzen, sondern eine faszinierende Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Algen. Ihre Oberfläche besteht aus einer Schicht von Pilzfäden, darunter liegt eine Algenschicht. Die Partnerschaft bringt Vorteile: Die Alge trocknet unter dem Pilz weniger schnell aus, der Pilz wird von der Alge dafür mit Nährstoffen versorgt. Da Flechten sehr empfindlich auf Schadstoffe, insbesondere aus der Luft, reagieren, gelten sie als wichtige Zeigerorganismen für den Umweltschutz. Geht es ihnen gut, erreichen sie ein biblisches Alter von mehreren hundert oder gar tausend Jahren.
Bunte Glarner Vielfalt
Das Glarnerland hat viel was Flechten mögen: ein buntes Mosaik verschiedener Gesteine und Böden, viel Wald für baumbewohnende Flechten, aber auch viele offene, wenig bewachsene Flächen, die den konkurrenzschwachen Flechten freien Grundbesitz bieten. Und letztendlich auch genug Niederschlag, denn Flechten tolerieren zwar Trockenheit, aber lieben doch die feuchte Abwechslung. Und so kommt im Glarnerland mit wohl über 500 Flechtenarten eine stattliche Vielfalt der Doppellebewesen vor.
Mein Name ist Thamnolia
Über die Verbreitung dieser verschiedenen Arten im Kanton Glarus weiss man im Detail noch sehr wenig. Den diesjährigen Beobachtungsaufruf widmet das Naturzentrum Glarnerland in Zusammenarbeit mit der Kantonalen Abteilung für Umweltschutz und Energie deswegen einer Flechte, die wohl nicht selten ist, aber auf der schweizerischen Verbreitungskarte noch viele Lücken im Glarnerland aufweist. Die Flechte mit dem wohlklingenden lateinischen Namen Thamnolia vermicularis besteht aus unverwechselbaren weissen, wurmartigen, schwach verzweigten Röhren, die am Ende zugespitzt geschlossen sind. Aus gewisser Distanz ähnelt sie in Farbe und Grösse wettergebleichten Knochen von Kleinsäugern oder Vögeln. Die Thamnolia-Flechten sind oft nicht am Untergrund festgewachsen, sondern können lose am Boden liegen. Sie kommen auf saurem Untergrund in Höhenlagen von meist über 2000 m ü.M. vor.
Bitte melden
Das Naturzentrum bittet alle, die eine Thamnolia-Flechte gesichtet haben, um folgende Angaben: Datum der Beobachtung, geschätzte Anzahl/Grösse, Beobachtungsort (Flurname, Dorf, Gemeinde), idealerweise Koordinaten und Höhe, wenn immer möglich einen Fotobeleg sowie für allfällige spätere Rückfragen Name, Adresse, Telefon und E-Mail der Beobachterin oder des Beobachters.
Meldungen auf Karte und in Datenbank
Die Funde werden in der Kantonalen Melde-Datenbank eingetragen und Ende Jahr an die nationale Datenbank weitergeleitet. Auf einer Karte kann man im Naturzentrum Glarnerland bis Jahresende den aktuellen Stand der Beobachtungen von Thamnolia einsehen.
Kontaktadresse
Infostelle Naturzentrum Glarnerland, im Bahnhofsgebäude Glarus
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00–17.30 Uhr, Samstag 10.00–12.00 Uhr, Eintritt frei.
E-Mail: [email protected], Telefon: 055 622 21 82
www.naturzentrumglarnerland.ch
Weitere Informationen über Flechten in der Schweiz: www.swisslichens.ch.
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