Wer öfter fragt, wird schneller gross – Lesung und Gesang

Im Rahmen der in vier Veranstaltungen gegliederten sommerlichen Angebote luden die Verantwortlichen der stadtglarnerischen Buchhandlung Baeschlin zu einer Lesung samt Gesang ein. Die Buchautorin Brigitte Gabler, 1950 im Allgäu geboren, aktuell im Zürcher Unterland lebend, präsentierte ihr autobiografisches Buch mit dem Titel «Wer öfter fragt, wird schneller gross». Sie setzt sich darin mit ihrer eigenen Kindheit auseinander. Zwischendurch bot Hanspeter Zweifel gar Schwungvolles und Beseeltes von Elvis Presley an.



Buchautorin Brigitte Gabler (Bilder: peter meier)
Buchautorin Brigitte Gabler (Bilder: peter meier)

In der Buchhandlung begrüsste Catherine Etter als Vertreterin und Mitinitiantin der Arbeitsgemeinschaft für Literatur im Glarnerland. Sie hiess eine eher kleine Zahl an Literaturinteressierten willkommen und lud damit zu Elvis-Songs, Buchpräsentation und dem anschliessenden Verweilen bei «Speis und Trank» samt Gedankenaustausch ein. Weitere Hinweise betrafen zwei Veranstaltungen im Fabriktheater Schwanden: Linard Bardill gastiert dort am 10. September mit «Liedern zum Aufatmen» und der aus Kiew stammende Autor Andrej Kurkow am 22. Oktober mit seinem neuesten Bestseller.

Zu erfahren war zudem, dass Elvis Presley bei Hanspeter Zweifel und der Buchautorin Brigitte Gabler gleichermassen starke Beachtung gefunden hat und dank zahlreicher Auftritte des Linthalers Lokführers, nunmehr 67 Jahre alt und riesig aktiv zu diesem «kombinierten Anlass» in Glarus gekommen war. Hanspeter Zweifel rückte Elvis Presley und dessen musikalisches Schaffen in aller Welt wort- und gesangsstark ins richtige Licht. Mit Mimik und körperlichem Einsatz nicht sparend.

Mit dem Buchinhalt befasst sich Brigitte Gabler mit ihrer eigenen Kindheit, einfühlend, weit erfassend – ab jungen Jahren bis hin zum Abitur. Sie schafft damit Kontakte zu ihrer Familie, zu Freundinnen und weniger geschätzten Mitschülerinnen und Nachbarn, stellt den zuweilen recht nervigen Bruder Klaus samt Vorlieben zu Würmern und anderem Getier vor, gestattet Einblicke ins Zusammenleben mit ihren Eltern und rückt ihre Oma ins Zentrum. Sie schildert in nachvollziehbarer Art, was sich über viele Kinderjahre hinweg ereignet. Sie schreibt über Schmerzliches ebenso bewegend wie übers herzliche Zusammensein mit ihrer Oma, die ihr so viele Gefühle zu schenken vermag, die intime Geheimnisse in ganz kluger Art für sich behält und nichts weitergibt, was zu Belastendem, Unwillkommenem zwischen Mutter und Kind führen könnte. Diese Oma gewinnt man bald einmal enorm lieb. Sie lebt eine Reife und Weisheit vor, die nicht Alltag ist. Die heranwachsende Brigitte, oft «Putti» genannt, spürt und schätzt das. Sie ist ein Kind mit einer überbordenden Fülle an Fragen, Feststellungen, Urteilen, starken Leidenschaften. Mit nie erlahmender Offenheit und deutlicher Hartnäckigkeit hinterfragt sie, wertet deutlich, ehrlich, Verletzungen zuweilen in Kauf nehmend. Sie zeigt, wen sie mag – oder eben nicht. Sie hat eine nachvollziehbare Freude am Ausprobieren; spürt, wann das Hinunterschlucken eines noch so berechtigtem Kommentars angebracht ist. Man nimmt diese Vielfalt gerne in sich auf, erinnert sich vielleicht an das eine oder andere, was sich während des eigenen Heranwachsens einst ereignet hatte.

Diese Brigitte lebt zur Hauptsache mit ihrer Mutter auf, liebt die langen von viel Herzlichkeit und Anteilnahme geprägten Stunden mit der Oma und sieht den Vater nur selten, weil der in einem amerikanischen Fliegerhorst als Fluglehrer tätig ist.
Die Heranwachsende ist auch leidenschaftliche Geniesserin, lässt sich beispielsweise mit Naschereien liebend gerne verwöhnen, freut sich schon aufs Essen, wenn vertraute Düfte ihre Nase erreichen. Sie liebt «Amerikanisches», dazu zählen – wiederum – Leckereien, leicht verrückte Kleider, Sportliches mit Rollschuhen.
Brigitte versteht zu schwärmen, sei dies bei einem Kinobesuch mit Oma, einem Ausflug oder einer von ganz vielen Besuchen – auch wenn sie sich mit den wenigen Bekannten von Oma enorm schwer tut. Das wird beispielsweise dann verständlich, wenn man erfährt, dass eine der Bekannten einen Frosch im Einmachglas hält oder andere Besonderheiten lebt.
Brigitte liebt Haustiere, durchlebt den Schulalltag in durchaus nachvollziehbaren Gefühlswelten. Mit Lehrkräften tut sie sich zuweilen enorm schwer. Sie versteht nicht alles, was Klassenkameradinnen vorleben. Ihr damit verbundenes Unwohlsein kommt oft vor. Brigitte verkörpert eine Welt, die viel Anteilnahme, zuweilen auch Betroffenheiten, Unverständnis und Genuss in sich birgt. Es wird begrüssenswert ehrlich geschildert. Man schmunzelt, wenn Brigitte von ihrer Freude an der weiten Welt, dem Reisen, Verweilen an liebgewordenen Orten, den herzlichen Kontakten zu ihrer Oma, den mannigfaltigen Gefühlen schreibt. Man versteht, was an ihrem heranwachsenden Bruder Klaus nervt, weshalb sie die Mutter eine Klassenkameradin nicht grad ins Herz schliesst. Man begreift, dass sie den Streit zwischen Erwachsenen nicht liebt. Es ist nach mehr als 300 Seiten Lektüre klar, dass sie am Schlusse der vielen Geschehnisse lieber zuhause bleiben, statt in den Ferien in Italien weilen möchte. Da ist ein tiefes, noch undefinierbares Gefühl, das ihr sagt, dass mit der Grossmutter während dieser Ferienabwesenheit etwas Unliebsames, Schlimmes geschehen werde.
Tröstlich ist, dass Brigitte, nun Abiturientin, ganz viele Geheimnisse für sich mitnimmt und in jenem Kästchen versorgt, das fürs Aufbewahren so einzigartig stark geeignet ist. Das Buch schliesst mit: «Ich erzählte niemandem davon. Ich verbarg es in Omas kleiner Schachtel, wo alle meine Geheimnisse gehütet wurden, damit nichts verloren ging, was in meinem Leben wichtig war.»
So ist man über diese ganze Autobiografie hinweg zum Miterleben ganz nachhaltig eingeladen.
Zum Verfassen einer Autographie munterte de Buchautorin nachhaltig auf – es sei eine äusserst interessante Arbeit.  

Beim Apéro blieb ein vertiefendes Auseinandersetzen möglich, bevor man sich aus dem stadtglarnerischen Chilbitreiben und der gastfreundlichen Buchhandlung verabschiedete.