Nun sind es schon vier Jahre her, seit der Glarner Regierungsrat von sieben auf fünf Mitglieder reduziert wurde. Damals traten alle sieben bestehenden Regierungsräte und zwei „wilde“ Kandidaten ins Wahlrennen. Über die Klinge springen mussten damals Willy Kamm (FDP) und Franz Schiesser (SP). Im kommenden März nun stehen zum ersten Mal die Erneuerungswahlen des fünfer Gremiums an.
Grosse Aufgaben vor Augen
In der neuen Legislatur 2010-14 sind in allen Departementen wichtige Entscheide zu treffen und Aufgaben zu lösen. Vor allem die Gemeindestruktur wird starken Einfluss auch auf der kantonalen Ebene ausüben. Auf der einen sicher im Erziehungsdepartement, da dort die Volksschulen in die Obhut der drei neuen Gemeinden übergehen werden und hier somit neue Kompetenzen und Pflichten ausgearbeitet werden müssen.
Aber auch in den anderen Departementen wird die neue Ausgangslage ihren Niederschlag finden. Ebenfalls Auswirkungen auf die Regierung wird die Wirtschaftskrise und die in der kürzeren Vergangenheit getroffenen Steuersenkungen haben. Mindestens für das kommende Jahr wird mit einem Defizit im Rechnungsabschluss zu rechnen sein und auch in den weiteren Jahren dürfte wohl Sparen angesagt sein. Gegensteuer dazu könnte die erhöhte Beteiligung an der Kraftwerke Linth-Limmern AG geben. Hier könnten pro Jahr bis zu 10 Millionen Franken in die Kasse des Kantons „gespült“ werden. Auch das Grossprojekt „Linthal 2015“ wird in der kommenden Legislatur kräftig vorankommen. Ebenfalls wichtig Themen werden die Gesamtprojektierung der Umfahrungsstrasse und den Ausbau des Fahrplans des Glarner Sprinters respektive des öffentlichen Verkehrs (Öv) sein.
Bekannte und neue Namen
Grosse Aufgaben und Projekte, denen sich neben den aktuellen Regierungsräten auch neue Kandidatinnen oder Kandidaten ab kommenden Sommer annehmen möchten. Und der Wahlkampf verspricht einige Spannung. Erstens wird nach dem Rücktritt von Jakob Kamm, der seit 15 Jahren Regierungsrat ist, ein Sitz frei. Zweitens ist die SVP seit dem Wechsel von Röbi Marti zur BDP nicht mehr in der Exekutive vertreten. Die SP ist mit ihrer Kandidatin Christine Bickel bestrebt, ihren Sitz in der Regierung zu verteidigen. Die Niederurnerin ist seit 1998 im Glarner Landrat und präsidierte diesen im Amtsjahr 2003/04. Ausserdem ist sie Leiterin des kantonalen Schulischen Zusatzangebots.
Auch die SVP dürfte mit grosser Sicherheit in den Wahlkampf einsteigen, jedoch hat sie ihren Kandidaten oder Kandidatin noch nicht bekannt gemacht. Die weiteren vier bisherigen Amtsinhaber stellen sich für weitere vier Jahre zur Wahl. Es sind dies von der FDP die amtierende Frau Landammann Marianne Dürst und der Nachfolger von Pankraz Freitag, Andrea Bettiga. Von der BDP kandidiert Baudirektor Röbi Marti und für die CVP Finanzdirektor Rolf Widmer. In den letzten Wahlen haben sich immer auch noch weitere Namen ins Spiel gebracht und so wäre es auch diesmal nicht überraschend, wenn sich mehr als sechs Kandidaten zur Wahl stellen.
Viele Faktoren zählen
Bei Wahlen spielt eine ganze Reihe von Aspekten eine entscheidende Rolle. Zu aller erst ist da sicher der Leistungsausweis der einzelnen Kandidaten zu berücksichtigen, und ob die Wähler ihnen die Aufgabe als Regierungsrat zutrauen. Daneben ist auch immer die Parteizugehörigkeit von grosser Bedeutung. Die Regierungsratswahl ist eben nicht nur eine Kopfwahl. Daneben kann aber auch das Geschlecht oder der Wohnort entscheidend sein. Bisher gab es im Glarnerland zum Beispiel nie mehr als eine Frau im Regierungsrat. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass sowohl im aktuellen Regierungsrat als auch unter den bekannten Kandidaten das Gebiet der neuen Gemeinde Glarus Süd nicht vertreten ist. Die Erfahrung in vergangenen Jahren hat auch gezeigt, dass Kandidaten, die sich zur Wiederwahl stellen, klare Vorteile gegenüber neuen Namen haben. Vor allem an den eidgenössischen Wahlen galt bisher das ungeschriebene Gesetzt, dass bestehende Namen nicht abgewählt werden. Ob dies auch auf kantonaler Ebene und vor allem bei den kommenden Wahlen zur Geltung kommt, haben die Glarner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im März selber in der Hand. Es ist auch damit zu rechnen, dass nicht alle fünf Sitze bereits im ersten Wahlgang mit dem absoluten Mehr vergeben werden und dass somit im zweiten Wahlgang die Karten neu gemischt werden. Für Spannung dürfte gesorgt sein und der Glarner Regierungsrat wird im Sommer ganz sicher mindesten ein neues Gesicht präsentieren. Die Erneuerungswahlen bilden zudem den Auftakt für ein grosses Wahljahr, denn neben dem Regierungsrat wird auch der reduzierte Landrat (von 80 auf 60 Sitze) und in Glarus Nord das neue Gemeindedepartement gewählt.




