Als Ehrengast durfte Bundesrat und Finanzminister Hans-Rudolf Merz (FDP) begrüsst werden. Im Kurzinterview kam er auf seine 'Karriere' bei der Pfadi zu sprechen. 'Zapfe', so sein Pfadi-Name, hatte in den 50er Jahren auch ein BuLa erleben dürfen. Vieles, so stellte er fest, hat sich nicht geändert. „Heute ist es durchaus viel schwieriger, bei den verschiedensten Anreizen, die auf die Jugend einprasselt, Pfadi zu werden und auch zu sein“ so Merz. Ihn hat damals die Faszination am Lagerleben und das Kennenlernen der Weltbevölkerung und deren unterschiedliche Mentalitäten gereizt, gab er Auskunft.
Ungewohnte Prominentendichte in Benken
Unter den zahlreichen Gästen erspähen konnte man unter anderem auch Divisonär Gianpiero A. Lupi mit Gefolgschaft, sowie den ältesten Pfadi vor Ort, Arthur Eugster (alias 'Frack', weil seine Mama damals den Spross nur in voll gebügelter Montur aus dem Haus liess), der es immerhin schon auf 82 Lenze gebracht hat und in voller Uniform erschien. Er trägt die drei höchsten Auszeichnungen der Pfadi, den Bronze Wolf, den Silberwolf (GB) und den Silberworld (USA). Auch aus Rumänien und Burkina Faso, mit denen langjährige Partnerschaften gepflegt werden, nahmen Gäste teil.
Die St.Galler Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann, Vorsteherin des Gesundheitsdepartments, erschien ebenfalls gut gelaunt. Sie hatte auch allen Grund: Am Vormittag wurde sie überraschend zur Pfaderin gemacht und auf den Namen 'Montana' getauft. Letztes Wochenende hatte sie erst den 'Duvour' in 4.634m bis zum Gipfel erklommen und sich den Namen damit wirklich verdient. Auch Lucrezia Meier-Schatz, ihres Zeichens Nationalrätin und Co-Präsidentin des Patronatskomitees wurde beim Interview entdeckt und gab gerne Erinnerungen aus ihrem Pfadi-Leben preis.
„Die Jugend ist das Abbild der Gesellschaft“
Weiterhin erschienen u.a. Thomas Ammann, Präsident des Kantonsrates St. Gallen; Markus Schwitzer, Präsident des Patronatskomitee und Gemeinderatspräsident von Kaltbrunn, Regierungsrat Willy Haag (in Pfadikreisen auch als 'Sesam' bekannt) und natürlich der Gemeindepräsident der gastgebenden Gemeinde Benken, Roland Tremp.
„Die Jugend ist das Abbild der Gesellschaft“, erklärte Haag – und diese Aussage erscheint hier einmal nicht im Zusammenhang mit schlechten Nachrichten über den Verfall der Moral, sondern hob den guten Kern der Jugendlichen hervor. Ihre Einsatzbereitschaft, ihr Enthusiasmus, der Wille, die Welt positiv zu verändern und jeden Tag ein wenig besser zu machen – so wie es den Grundgedanken der Pfadi entspricht. Auch Hanselmann brachte ihre Freude über die Begeisterung des Pfadi-Lebens und über die heute so oft gescholtene Jugend zum Ausdruck. „Pfadi-Leben, das ist auch der respektvolle Umgang der Jugendlichen miteinander, mit der Natur und der Umwelt. Das sind Werte, die heute in unserer schnelllebigen, sehr leistungsorientierten und monetären Welt und Gesellschaft nur allzu oft zu kurz kommen oder in den Hintergrund gedrängt werden.“
Lagerluft geschnuppert
Im Anschluss an den Apéro bat Vorstand Dominik Büchel zum Essen an die mit viel Liebe gedeckten Tische. Dazu gereicht wurden Dankesworte vom Contura-Präsidium Andreas Spichiger und Anne Guyaz, sowie von Lagerleiterin, Alexia Fournier, welche den Anwesenden, den Gästen und den vielen Helfenden und Sponsoren in deutsch, französisch und italienisch ihren Einsatz verdankten, bevor Bundesrat Merz zu Wort kam. Er stellte durchaus Gemeinsamkeiten mit der Zeit fest, als er als 'Zapfe' selbst ein BuLa erleben durfte. „Das Gemeinschaftsgefühl, das Wir-Gefühl, der disziplinierende Charakter in der Gemeinschaft. Spezialabzeichen, die ein Leistungsanreiz sind. Lagerlieder, die gemeinsam gesungen werden. All das ist wertvoll für die Jugend, auch das hilft, wieder Wertvorstellungen zu finden und zu leben.“
Merz erinnerte sich aber auch an die damalige Essenvor- und zubereitung. Wie aufwendig und langwierig das doch war. Es gab abends Rundgesänge am Lagerfeuer und Orientierungsläufe. Es war eine unablässige Folge von kleinen Ereignissen und Erlebnissen. Beim abschliessenden Rundgang im Pfadilager konnten alle altgedienten Pfader und die anderen Gäste noch einmal etwas Lagerluft schnuppern.
Verkehrsunfall in Näfels



