Wie aus dem Bilderbuch

Turniernummer 1 und Titelverteidiger Daniel Valent holt seinen zweiten Triumph in der Königskategorie des 28. GLKB Tennis Open 2024 und weist im Glarnerland weiterhin eine makellose Weste auf. Das Glarnerland blickt auf ein spektakuläres Tennisfest zurück, welches mit besten Bedingungen aufwarten konnte.



Wie aus dem Bilderbuch

Würde man sich ein Tennisturnier aus dem Bilderbuch wünschen, wäre dabei die 28. Austragung des GLKB Tennis Open 2024 herausgekommen: So duellierten sich knapp 80 Teilnehmende während dreier Tage an den zwei von vielen Zuschauern sehr gut besuchten Turnierstandorten in Mollis und Ennenda bei herrlichem Prachtwetter in zahlreichen fairen und hochklassigen Tennispartien. Die Tennisgötter und auch Petrus haben es in diesem Jahr mit dem Glarner Traditionsturnier in jeglicher Hinsicht besonders gut gemeint:

Daniel Valent ein grosser Champion

Die nationale Nummer 13 Daniel Valent ist ein grosser, verdienter und würdiger Sieger des 28. GLKB Tennis Open 2024: So hatte Valent in den Duellen gegen seine Kontrahenten Moritz Münster (N4 106), Jan Sebesta (N3 50) und Gian Grünig (N2 25) die Lage zu jedem Zeitpunkt im Griff. Auch im Final gegen Turnierlegende Raphael Lustenberger, dreifacher Tennis-Open-Champion der Jahre 2008, 2009 und 2013, blieb Daniel Valent mit 6:3 und 6:0 zu Lande und zu Luft überlegen. So hätte auch die Teilnahme von Turniernummer 2 Mischa Lanz (N2 19), am Ausgang der diesjährigen Königskategorie sehr wahrscheinlich nichts verändert. Lanz musste unmittelbar vor Beginn des Turniers verletzungsbedingt Forfait geben.

Dass es sich bei Daniel Valent um einen äusserst fairen und sympathischen Sportsmann handelt, ist zusätzlich explizit zu erwähnen und setzt nicht nur Valent, sondern auch der diesjährigen Austragung der Königskategorie die Krone auf. Die Abwesenheit von Mischa Lanz begünstigte im Übrigen in der unteren Tableauhälfte Raum für Überraschungen. Dieser Raum sollte denn auch genutzt werden.

Vierte Finalteilnahme für Raphael Lustenberger

Während die Wettquote auf einen erneuten Finaleinzug von Daniel Valent in Anbetracht seiner Klassierung im Vorfeld wohl eher tief gelegen hätte (würden denn solche Wetten überhaupt angeboten), ist die erste Finalteilnahme von Raphael Lustenberger seit dem Jahr 2013 eine faustdicke Überraschung. Diese Finalteilnahme ist jedoch hoch verdient: Mit einem wilden Ritt durch die untere Hälfte der Königskategorie schlug Lustenberger, mittlerweile an nationaler Nummer 79 geführt, nach einem Auftaktsieg gegen Jannis Simmen (N4 143) der Reihe nach die höher klassierten und deutlich jüngeren Lars Aregger (N3 69), Ilias Zimmermann (N3 35) sowie im Halbfinale auch Mitfavorit Jonas Schär (N3 43).

Dies tat Lustenberger mit gewaltigen Leistungen – und in teilweise äusserst knappen Partien: So behielt Lustenberger sowohl gegen Ilias Zimmermann als auch Jonas Schär im Champions-Tie-Break des dritten Satzes jeweils knapp die Oberhand. Gerade beim 15:13 im dritten Satz gegen Schär kam der bis auf den letzten Platz gefüllte Centre-Court in Mollis in den Genuss von nationalem Spitzentennis und einem spannungsgeladenen Ambiente, welches man in dieser Form in drei Jahrzehnten dauernder Turniergeschichte selten erlebt haben dürfte. Entsprechend gross war die Enttäuschung bei Jonas Schär, welcher die Austragung 2022 gewonnen hatte, im vergangenen Jahr als Titelverteidiger verletzungsbedingt jedoch abwesend gewesen ist und daher noch eine Rechnung offen hatte.

Es bleibt der Trost der Wiederholung

In einem Spiel mit nur zwei Kontrahenten ist es keine Überraschung, dass des einen Freud' gezwungenermassen auch des anderen Leid bedeutet – gerade bei einem Spiel, welches draussen auf einer rutschigen Unterlage gespielt wird, dadurch den Elementen ausgesetzt ist und darüber hinaus auch noch dem Willen der Tennisgötter unterliegt. So bleibt dem 24-jährigen Jonas Schär der Trost, dass er noch zahlreiche weitere Anläufe nehmen kann, um den Glarner Tennisthron erneut zu erobern. Dasselbe gilt im Übrigen auch für den ein Jahr jüngeren Stadtglarner Ilias Zimmermann, welcher im vergangenen Jahr schon einmal im Final gestanden hatte, in diesem Jahr jedoch Opfer von Raphael Lustenbergers Triumphzug geworden ist.

Sieben weitere Tableaux

Auch die anderen sieben Tableaux boten zahlreiche Highlights – dies vielfach auch aus Glarner Sicht: So setzte sich im R2/R5-Tableau mit Joël Marty zwar ein Auswärtiger durch – drei der vier Halbfinalteilnehmer waren jedoch Glarner: Den Final gewann Marty gegen den Molliser Patric Michel in einem spannenden Dreisatzkrimi mit 4:6/6:1 und 10:8, nachdem sich Marty im Halbfinal gegen Michels Teamkollege Diego Ragotti mit 6:3 und 6:4 durchgesetzt hatte. Michel hatte seinen Halbfinal gegen den Näfelser Florian Schurter gewonnen. Auch das gut besetzte R5/R7-Herrentableau mit 14 Anmeldungen war fest in Glarner Hand: Hierbei setzte der unverwüstliche Molliser Jungsenior Patrick Faoro einmal mehr ein Ausrufezeichen, zumal er in der unteren Tableauhälfte der Reihe nach die Turniernummer 2, Marco auf der Maur (R5), Fortunat Dietze (R5) und im Final seinen Klub- und Vorstandskollegen Fabian Aebli (5:7, 6:2 und 10:4) eliminierte und das Tableau für sich entschied. Fabian Aebli hatte zuvor im Halbfinal, seinen jüngeren Bruder Manuel, seines Zeichens an 1. Stelle gesetzt, aus dem Turnier geworfen.

Immer wieder Faoro

Der gleiche Patrick Faoro gewann nicht nur das R5-Tableau, sondern auch das Herrentableau 35+ R6/R9, welches in Gruppenspielen ausgetragen wurde. Dies bescherte Faoro drei weitere Matches, welche er ebenfalls allesamt klar gewann und auf dem 1. Rang abschloss. Mit sieben Matches ist Patrick Faoro daher der Marathon-Mann des Turniers. Eine rein auswärtige Angelegenheit war indes der Final der Aktivkategorie Herren R7/R9, welches Pascal Schieman mit 6:1 und 7:6 gegen Aleksandar Orozovic gewinnen konnte.

Erfreulich ist, dass zwei weitere Siege in Molliser Hand blieben: So einerseits im Tableau der Herren 45+, in welchem Ignaz Ladner gegen den erstmals im Glarnerland antretenden Boris Pfau mit 6:2/3:6 und 11:9 den Kopf nicht in den Sand steckte. Bei den Damen Aktive R3/R5 gewann Joana Iten den Final gegen die Niederurnerin Afra Violetti mit 6:2/6:4, während das in Gruppenspielen ausgetragene Damentableau R5/R9 von Daniela Nikitovic entschieden wurde.