Wie viel Autor steckt im Werk?

Die erfolgreiche Schriftstellerin Dana Grigorcea las am letzten Dienstag aus ihrem aktuellen Werk «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» in der Buchhandlung Baeschlin. In der anschliessenden Fragerunde ging es dann um die Zeit im Kommunismus, aber auch um echte und fiktionale Kindheitserinnerungen.



(Bild: jhuber)
(Bild: jhuber)

Mit ihrem zweiten Werk «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» hat die aus Rumänien stammende Autorin Dana Grigorcea den Durchbruch geschafft. Renommierte Preise und lobende Kritiken in den arrivierten Medien sind dafür ein eindeutiges Zeichen. Dass bei ihrer Lesereise neben Wien, Berlin und anderen grossen Städten auch Glarus auf dem Plan steht, hat einen einfachen, aber wichtigen Grund: die Liebe; ist sie doch mit dem Glarner Schriftsteller Perikles Monioudis verheiratet und verbringt so immer wieder Zeit in dessen Heimat. Die Auszüge ihres WerksArtikel brachten dagegen die Zuhörer am letzten Dienstag in der Buchhandlung Baeschlin in die Heimat der Autorin, nach Rumänien, genauer nach Bukarest. Die Protagonistin von «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» ist eine junge Angestellte in einer Zürcher Bank wird aber im Verlauf der Handlung in die Filiale in der Heimatstadt Bukarest geschickt. Ein Banküberfall bringt dann die Geschichte erst richtig ins Rollen und zwingt die junge Frau auch sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Bei diesem Lebenslauf stellt sich mit den vielen Überschneidungen beim Leser zwangsweise die Frage: Was ist wirklich erlebt und was erfunden? Dies zeigte sich auch in Glarus bei der anschliessenden Gesprächsrunde, wobei die Autorin keine eindeutige Antwort geben wollte. «Wichtig ist doch, dass der Leser die Erinnerungen für glaubwürdig hält.» Die Autorin bedient sich dem Fundus ihrer eigenen Erinnerungen und bearbeitet sie zu neuen Erlebnissen und Geschichten. Die Grenzen zwischen Erlebtem und Erdachtem verwischen immer stärker. Gerade in Anbetracht der Unterdrückung durch Nicolae Ceausecu bekommen die an und für sich harmlosen und witzigen Kindheitserinnerungen einen düsteren Grundton und so eine weitere Dimension. Das Werk funktioniert so nicht nur als Geschichte einer Frau, sondern exemplarisch zur Geschichte eines Volkes zwischen kommunistischer Diktatur und neu erreichter Freiheit.