Wiedersehen nach 38 Jahren

Erstmals seit 1978 finden die Schweizer Meisterschaften im Nationalturnen wieder in Netstal statt. Erwartet werden am Fusse des Wiggis 290 Nationalturner. Sie kämpfen in sieben Kategorien um den diesjährigen Schweizermeistertitel.




Die Organisatoren, der Turnverein sowie die Nationalturnerriege Netstal, freuen sich auf die 290 Teilnehmer und ein paar wenige Teilnehmerinnen aus vielen Kantonen, die sich an den nationalen Titelkämpfen in der anspruchsvollen Mehrkampfsportart beteiligen. Das OK unter der Leitung von Peter Läuchli (Netstal) hat innert kürzester Frist alles unternommen, damit die Sportler auf den Wettkampfanlagen auf dem Sportplatz Wiggis sowie auf der «Bärenhoschet» ideale Wettbewerbsbedingungen vorfinden werden. Auf den Tag genau 38 Jahre ist es her, seit am 24. September 1978 letztmals die Schweizer Meisterschaften am Fusse des Wiggis stattfanden. Damals gab es die Kategorie A jedoch noch nicht. In der obersten Sparte (Leistungsklasse 3) siegte der Bündner Johann-Martin Engi.

Kurzfristig eingesprungen

In den letzten Wochen und Tagen wurden die Ereignisse von 1978 immer wieder diskutiert. Das damalige OK mit all seinen legendären Figuren im Amt, das von alt Regierungsrat Fritz Weber-Worni präsidiert wurde, aber auch der Anlass selber, der in der Zeitschrift Schweizer Turnen als Vollerfolg niedergeschrieben wurde. «Weil nach der letztjährigen SM in Baar noch kein Bewerber fürs 2016 bekannt war, beredeten wir diese Sache intern im Turnverein. Ein Ja zur Übernahme erfolgte erst im Dezember 2015. Kurz vor Weihnachten hielten wir unsere 1. OK-Sitzung ab. Es war eine kurze Vorbereitungsphase, die uns blieb. Dank einem umsichtigen OK befanden wir uns aber jederzeit auf Kurs», lässt der OK-Präsident Peter Läuchli wissen. «Nun steht der Anlass vor der Tür. Ich hoffe, dass wir einen verletzungsfreien sportlich hochstehenden und spannenden Wettkampf erleben dürfen», führt das Oberhaupt weiter aus.

Aus unterschiedlichen Disziplinen auswählen


Das Nationalturnen ist eine Mehrkampfsportart. Die Kategorie A und die L3 haben am meisten Einsätze, sie bestreiten ein Zehnkampf. Die L2 einen Achtkampf, die L1 einen Siebenkampf, die J2/J1 und JP einen Fünfkampf. Im Vornotenprogramm muss der Athlet aus den Sportarten Freiübung (Bodenturnen), Steinstossen, Steinheben, Hochweitsprung, Weitsprung und 60/80-m-Lauf auswählen. Die Hauptklasse muss mindestens vier, maximal sechs Noten aus den genannten Vornoten absolvieren. Die Vornoten fünf und sechs darf ein Athlet auch im Ringen oder Schwingen absolvierten. Der zweite Teil, das Nachmittagsprogramm mit den Noten sieben bis zehn besteht aus je zwei Gängen Ringen und Schwingen. Den Abschluss der Wettkämpfe bilden die Schlussgänge im Sägemehl.

Verschiedene Schauplätze


Die Jugendklassen bis zum 14. Altersjahr (J2/J1 und JP) bestreiten nur zwei Gänge im Ringen. Dementsprechend wird ihr Schlussgang im Ringen bestritten. Als wichtiger Unterschied zum Schwingsport wird bei den Zweikämpfen im Nationalturnen nach Zehntelpunkten benotet. Das Vornotenprogramm in der ersten Tageshälfte findet auf dem Fussball- und Sandplatz Wiggis sowie das Bodenturnen in der Turnhalle statt. Die Zweikämpfe am Nachmittag im Ringen und Schwingen finden auf der Naturwiese auf der «Bärenhoschet» hinter der gleichnamigen Gaststätte statt. Die Wettkampfleitung untersteht dem 132-fachen Kranzschwinger Markus Thomi (Wigoltingen).

Samuel Giger als Zugpferd


In der Hauptklasse, Kategorie A, sind rund 30 Athleten gemeldet. Im kleinen, aber feinen Teilnehmerfeld stechen drei Namen heraus. Zum einem der Meister der vergangenen zwei Jahre, Samuel Giger (NTR Märstetten). Der 18-jährige Spitzenathlet wird heiss darauf sein, nach seinem sensationellen 2. Platz am Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer, im Nationalturnen den 3. Schweizermeistertitel in Serie zu erlangen. Giger stand in Estavayer stellvertretend für eine neue Generation, die den Schwingsport in den kommenden Jahren prägen wird. Seine härtesten Widersacher sind der letztjährige Innerschweizer Sieger, der dreifache Eidgenosse Andi Imhof (TV Bürglen) sowie der Berner Neueidgenosse Damian Gehrig (Sumiswald). Weil bereits die Meisterschaft im Ringen ihren Betrieb gestartet hat, fehlen in Netstal die namhaften Nationalturner, die Willisau-Ringer Martin, Thomas und Werner Suppiger.

Gastgeber streben Zweiggewinne an


In der Kategorie Leistungsklasse 3 gehört der Zürcher Jeremy Vollenweider (letztes Jahr Sieger in der L2) zu den Favoriten. In der L2 führt der Sieg wohl über den Luzerner David Wüst. Gespannt ist man auf die Auftritte der einheimischen Glarner und insbesondere der Netstaler. In der Kategorie A starten für Netstal Kranzschwinger Reto Landolt sowie Christian Hefti, der sich jedoch zuletzt mit Blessuren herumzuschlagen hatte. Bilten wird in der Hauptklasse vertreten durch Mischa Lehrich und Bruno Schnyder. Gespannt ist man auch auf das Abschneiden von Thomas Riedi (Netstal), Andreas Schnyder (Bilten) und Dominik Mettler (Bilten, alle L3) sowie Fritz Kamm, Florian Fischli, Benni Leuzinger (alle Netstal), Sascha Schmid und Joel Meier (Bilten, alle L2). Wie Leuzinger in der L2, besitzt auch der Oberurner Jan Wirz in der L1 reelle Aussenseiterchancen. Die Favoritenrolle liegt hier beim Thurgauer Lars Hugelshofer.

Lebendpreise für alle Sieger


Dank grosszügigen Spendern aus Schwing- und Nationalturnkreisen kann allen sieben Siegern der verschiedenen Kategorien ein Lebendpreis übergeben werden. Die Lebendpreise werden angeführt von einem Rind bei der Kategorie A und reichen bis zu einem Kaninchen für den jüngsten Sieger bei den Piccolos.

Programm: Eröffnung der Festwirtschaft 06.15 Uhr; Kontrollgang der Wettkampfanlagen 06.45 Uhr; Notenblattausgabe 07.00 Uhr; Kampfrichter- und Speakersitzung 07.30 Uhr; Medienkonferenz 08.00 Uhr; Wettkampfbeginn Kat. A/L3/L2/L1 08.00 Uhr; Wettkampfbeginn J2/J1/JP 10.00 Uhr; Apéro Mehrzweckhalle 10.30 Uhr; Beginn Zweikämpfe L2/L1 11:15.00 Uhr; Mittagessen 12.00 Uhr; Fortsetzung der Zweikämpfe aller Kategorien (Ringen und Schwingen, Bärenhoschet) 12.45 Uhr; Schlussgänge aller Kategorien 17.00 Uhr; Einmarsch der Aktivkategorien und Rangverkündigung (Hymne) zirka 18.30 Uhr.

Organisationskomitee: Peter Läuchli (OK-Präsident), Peter Schadegg (Ehrenpräsident/Verkehr/Sicherheit), Josef Kubli (Vizepräsident/Werbung/Festführer), Cornelia Schrepfer und Jakob Jucker (Festwirtschaft), Thomas Tschudi (Bau/TK-Chef), Martin Eberhard (Rechnungsbüro), Reto Leuzinger (Ehrengäste), Ralph Bäbler (Finanzen), Jakob Heer (Medien)