Wien–San Francisco

Es war Herbst 1994 als wir an einem Freitagabend eine Swissair-Maschine bestiegen (damals gab es sie noch) und uns auf dem Weg nach Los Angeles machten. Das war aber nicht unser eigentliches Ziel.




San Francisco, da müssen wir hin. Nach vielen Stunden erreichten wir unser neuer Wohnort. Leider war es schon wieder dunkel und ich konnte beim Anflug nicht viel sehen. Ich hatte gehofft einen kurzen Blick auf die Golden Gate-Brücke zu werfen. Doch das blieb mir vorerst noch verwehrt.

Ein Mitarbeiter des Schweizer Konsulates brachte uns in unser Hotel mitten in der Stadt. Es war schon spät am Abend und wir hatten keine Lust mehr auf einen Spaziergang, obwohl es uns sehr gereizt hätte. Wir hatten ja noch zwei Tage vor uns, bevor meine Frau ihre Arbeit auf dem Konsulat aufnehmen musste. So sanken wir müde und sehr aufgeregt in unsere Betten und waren gespannt was uns erwartete. Vier Jahre lagen uns bevor. Doch erst galt es einmal die ersten Tage zu überstehen.

Am darauffolgenden Tag war unser erstes Ziel die Golden Gate-Brücke. Um es kurz zu sagen: es war beeindruckend. Die von Joseph B. Strauss gebaute Brücke wurde im Mai 1937 für den Verkehr freigegeben. Sie ist 2723 Meter lang und die Pfeiler 227 Meter hoch. Die leuchtend rote Farbe (International Orange) genannt, ist eigentlich der Schutzanstrich. Doch dem Erbauer und der Bevölkerung gefiel die Farbe so gut, dass man es dabei beliess.

Nun standen wir also da und bestaunten dieses eindrückliche Bauwerk. Leichte Nebelschwaden schwebten vom Pazifik her über die Brücke und verlieh dem ganzen einen mystischen Anstrich. Da wir ja von nun an hier bleiben würden, hielten wir uns nicht lange auf, sondern spazierten zurück in die Stadt. An jeder Ecke gab es etwas zu entdecken. Alles war neu und noch etwas unwirklich. An den Amercan way of Life mussten wir uns erst noch gewöhnen. Und dass dies nicht so einfach war, fanden wir bald heraus. Doch das durfte man am ersten Tag auch nicht erwarten.

Es kam der Montag. Ich begleitete meine Frau noch bis zu ihrem neuen Arbeitsplatz und ich stürzte mich anschliessend ins Gewühle der Stadt. Doch ohne ordentliche Stärkung war das nicht zu bewältigen. Frühstück war angesagt. In einem sogenannten «Diner» liess ich mich nieder und versuchte mit meinen noch immer bescheidenen englischen Kenntnissen auf gut Glück etwas zu bestellen.

Groundmeet, hashbrown and two eggs over easy.
Was das wohl sein mag?
Aha. Gebratene Kartoffeln mit gehacktem Rindfleisch und zwei Spiegeleier kurz gewendet.
Nicht gerade das Frühstück, das man sich bis jetzt gewohnt war, aber es hat sehr gut geschmeckt.

Und es sollte sich herausstellen, dass ich nicht das letzte Mal in diesem Lokal war. Nicht nur weil es gut war, nach dem dritten Tag wussten sie schon, was ich bestelle und ich musste mich nicht mit meinem Englisch abmühen.

So vergingen die Tage und ich fand mich immer besser zurecht. Und es kam der Tag, an dem wir uns ein Auto kaufen wollten. Und dass dies in Amerika ja kein Problem sein sollte, machten wir uns an einem Samstagmorgen auf den Weg.

Was dabei herausgekommen ist, werde ich Ihnen in der nächsten Folge erzählen. Jetzt nur so viel, es läuft etwas anders als in der Schweiz.