Windkraftprojekt Bilten

Grüne Linth und Grüne Glarus machen sich auf einer Velotour ein Bild vor Ort und informieren sich mit Experte über das geplante Vorhaben.




Letzten Samstag waren die Grünen aus dem St.Gallischen Linthgebiet bei ihren Glarner Parteikolleginnen zu Gast, um einer gemeinsamen Frage nachzugehen: «Wie sinnvoll ist das Windkraftprojekt im Linthgebiet?»

Um sich an Ort und Stelle ein Bild machen zu können, sind die rund 20 interessierten Grünen mit dem Velo von Ziegelbrücke aus Richtung Bilten geradelt. Am geplanten Standort von drei der fünf Windräder stieg man ab und versammelte sich um Jürg Rohrer, der ausführlich über Windenergie und das vorliegende Projekt referierte. Rohrer ist Professor an der ZHAW und leitet am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen die Forschungsgruppe Erneuerbare Energien. Er erklärte, dass die Schweiz beim Ausbau der Erneuerbaren weit hinterherhinkt: Nur gerade 4 von 29 europäischen Staaten haben pro Kopf weniger Photovoltaik und Windenergie zugebaut als die Schweiz. Andererseits gibt es weltweit nur 7 Staaten, die grössere CO2-Emissionen pro Kopf verursachen als wir in der Schweiz. Wenn wir die Energiewende in den nächsten 30 Jahren erfolgreich angehen wollen, müsse der Ausbau von Solar- und Windenergie forciert werden – in diesem Bereich liege das mit Abstand grösste Potenzial für Erneuerbare in der Schweiz.

Weshalb die SAK gerade hier einen Windpark erstellen will, liege an den Windverhältnissen:

Hier, zwischen Autobahn und KVA Linth seien sie optimal. Bei uns weht der Wind vermehrt nachts sowie im Winterhalbjahr, bei der Sonne verhält es sich genau umgekehrt. Wind- und Solarkraftwerke stellen deshalb eine geradezu ideale Kombination dar; auch zusammen mit der Wasserkraft. Bei den geplanten Standorten nahe Bilten komme hinzu, dass der Lärmpegel der Autobahn höher liege als derjenige von modernen Windkraftanlagen.

Lärmemissionen seien nämlich ein entscheidender Faktor, wenn es um Mindestabstände zu bewohnten Siedlungen geht. Dennoch formierte sich auch bei diesem Projekt mit «Gegenwind» – wie bei praktisch allen Windkraftprojekten in der Schweiz – eine gut organisierte Gegnerschaft. Auffallend ist, dass sie auf immer gleiche Weise vorgeht: In den Baureglementen der angrenzenden Gemeinden sollen die Mindestabstände zwischen Windturbine und bewohntem Gebiet vergrössert werden. Was die Windkraftgegner dabei antreibt ist vielen nicht ganz klar. In Bilten kann der Lärm jedenfalls kein Argument sein, denn die Autobahn ist lauter.

Nach dem Referat von Jürg Rohrer wurde das Thema eingehend untereinander diskutiert.

Gestärkt mit Kaffee und Apfelmost in einem nahegelegenen Bauernrestaurant, haben sich die Gleichgesinnten wieder in alle Richtungen mit ihren Velos davongemacht. Der spürbare (Gegen)Wind im Linthgebiet blieb auch auf der Heimfahrt ein Thema.