Wohl des Kindes steht an erster Stelle

Neues Angebot, neuer Prospekt: Die Fachstelle Pflegekinder des Kantons Glarus erweitert die Platzierungsangebote und sucht zusätzliche Pflegeeltern.



Jasmin Blumer betreut die Fachstelle Pflegekinder im Stützpunkt Süd der Sozialen Dienste in Schwanden. (Bild: mb.)
Jasmin Blumer betreut die Fachstelle Pflegekinder im Stützpunkt Süd der Sozialen Dienste in Schwanden. (Bild: mb.)

Die den Sozialen Diensten angegliederte Fachstelle Pflegekinder bietet Kindern und Jugendlichen, die durch belastende familiäre Verhältnisse nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben können, ein verlässliches und beständiges Beziehungsnetz. «Jedes Kind hat ein Anrecht, Liebe, Geborgenheit und Sicherheit in einem natürlichen Umfeld zu erhalten und seinem Alter entsprechend gefördert und gepflegt zu werden», heisst es im neuen Prospekt der Fachstelle, der sich auch an die Pflegekinder richtet. Oberste Priorität hat das Wohl des Kindes.

Mehr Platzierungsangebote geschaffen

Um den vielfältigen Bedürfnissen gerecht zu werden, bietet die Fachstelle ab sofort ein breites Angebot an Platzierungsmöglichkeiten an. Neben der klassischen Dauerpflegefamilie gibt es neu die Wochenpflegefamilie (von Sonntagabend bis Freitag), die Kontaktpflegefamilie (für Ferien- und Wochenendplatzierungen im Sinne des Götti-Gotte-Systems) und die Gastfamilie (für Jugendliche als Zwischenlösung bis zur Volljährigkeit). Zu den SOS-Pflegefamilien (für Schutz- und Notfallplatzierungen beispielsweise bei häuslicher Gewalt) kommen neu Time-out-Plätze.

Ein Beispiel gefällig? Eine Kantischülerin wird von ihrem Zuhause ausgeschlossen, weil ihre Eltern nicht einverstanden sind mit der religiösen Ausrichtung ihres Freundes. Sie will die Kantonsschule abschliessen und die Matura machen. Nun findet sie Unterschlupf bei einer Gastfamilie. Da sie noch nicht volljährig ist, bekommt sie keine Sozialhilfe. «Alle Erziehungs- und Ausbildungskosten müssen von den Eltern getragen werden. Der Staat unterstützt nur subsidiär», sagt Willi Hunziker, Leiter der Sozialen Dienste des Kantons Glarus. Bei den Pflegekindern finanziert der Staat die Plätze und fordert von den Eltern einkommensabhängige Beiträge ein.

Pflegeeltern gesucht

Die Fachstelle Pflegekinder sucht nun laufend Pflegeeltern, die einem Kind oder einem Jugendlichen ein neues Zuhause geben können. Um ein Anreizmodell zu schaffen, hat sie neu zwei Tarifstufen eingeführt: für Pflegefamilien und für sogenannte Fachpflegefamilien, an die höhere Anforderungen gestellt werden und die auch eine längere Ausbildung besuchen müssen.

«Pflegeeltern sein ist heute keine Berufung mehr, sondern ein Beruf», sagt Jasmin Blumer. Die Pflegefamilien werden den Anforderungen entsprechend durch den Kanton entlöhnt, sie sind auch in der Pensionskasse und gegen Betriebs- und Nichtbetriebsunfall versichert. «Damit sollen sie die notwendige Wertschätzung erfahren», so die Stellenleiterin: «Kinder, die platziert werden, bringen ihren Rucksack mit. Von den Pflegeeltern wird sehr viel gefordert und erwartet. Dies soll auch entsprechend anerkannt werden.»