Auf Einladung der stadtglarnerischen Kulturbuchhandlung Wortreich gastierte ein Duo, das erstklassig harmonierte, mit dem sagenhaften Reichtum von Wort und Sprache so virtuos spielte, dass nur noch sprachloses Staunen blieb. Die beiden Künstler kommunizierten mit beinahe unbeschreiblicher Eleganz, stimmungsvoll, munter, verspielt, dahinträumend, forderndem Verlangen, Ungeduld, mit knurrenden Tönen, in wirbligen Tempi, dahinsinnierend. Hanspeter Müller las, war charmanter Gastgeber mit klug zusammengestellten und stimmungsstark vorgetragenen Texten. Zuweilen wandte er sich Matthias Mueller zu, forderte ihn zum Mittragen, Sekundieren, nicht zum Begleiten auf, wie man sichs gemeinhin gewohnt ist. Matthias Muellers Spielkunst, sein Gestaltungsreichtum, das Heimischsein in verschiedensten Musikkulturen waren in jeder Beziehung bemerkenswert. Er war musikalisch ebenso verspielt und kundig wie Hanspeter Müller-Drossaart. Man gewann beide lieb, war rundum fasziniert und begeistert. Die so verschiedenartigen Gedichte wurden in zuweilen rasanten Tempi, dann wieder mit versöhnlicher Langsamkeit und Gemütlichkeit, in Dialekten aus verschiedensten Teilen unseres Landes, temperamentvollem Spanisch und in dozierendem Englisch vorgetragen, nicht einfach vorgelesen. Müller-Drossaaart ist ein riesiger Sprachvirtuose, der mit den vorgetragenen Botschaften spielt, innehält, Lacher weckt, Bedachtsames schweben und zerrinnen lässt. Mit dem kurzweiligen Rezitieren kommen Sehnsucht und Anteilnahme ebenso auf, wie kurzzeitiges Vergnügen und Munterkeit. Müller-Drossaart ist kunstsinnig, belesen und klug genug, um den Ausdrucksreichtum ganz verschiedener Dichter wie Heinz Erhardt, Franz Hohler, Ernst Burren, William Shakespeare, J. W. Goethe, Heine, Morgenstern, Ernst Jandl, Joachim Ringelnatz, Lerjen-Sarbach, Manuel Stahlberger, Ernst Eggiomann und anderen zu Gehör zu bringen.
Die Wort-Botschaften vermischen sich mit den Klarinettenklängen und hohen Virtuosität von Matthias Mueller, der mit dem Schauspieler zuweilen ins nonverbale Gespräch zu kommen scheint, fragt, kokettiert, sich im Hintergrund aufbaut, auf Distanz geht, verweilt, sich voller Übermut von dichterisch so vortrefflich Vorgetragenem löst und stimmungsreich drauflosspielt.
Aus der Vielzahl der variantenreichen Dichtkunst kann nichts Konkretes rausgelöst werden
Die Wort- und Klanglawine ab Bühne war nie erdrückend, sondern von erfrischender Leichtigkeit geprägt. Wie es einem transplantierten Herzen ergehen kann; ein blitzschnelles Auto langsam und irgendwelche Ecken biegt; die junge Made – zack – aufgefressen wird; kluge Sterne zu träumen vermögen und goldene Tränen auf die Erde fallen lassen; die Kraft der Sonne; von Einstigem und Heutigem; dem Maulwurf mit Brille; das Schicksal Goethes ohne seine kleine, tatkräftig sorgende Christine; Melancholie; Zauberschwestern; absolut Wienerisches; Schicksal eines zu langen Bumerangs; das Innere einer Kuh, wenn sie die Augen ganz, ganz weit offen hat – es schien kaum zu enden.
Der Beifall war riesig, natürlich wurde das eine oder andere Buch gekauft und grad signiert. Man schied mit der Vorfreude auf Neues aus dem kreativen Kulturangebot des Wortreich-Teams um Christa Pellicciotta.
«Tümpis» zwischen Vergangenheit und Zukunft













