Würdige Anna-Göldi-Feier im Zürcher Grossmünster

An der diesjährigen Gedenkfeier im Zürcher Grossmünster sprachen Landammann Andrea Bettiga sowie alt Bundesrätin Elisabeth Kopp. Eine Sekundarschulklasse aus Glarus unter der Leitung von Betty Legler führte ein szenisches Spiel auf.



Würdige Anna-Göldi-Feier im Zürcher Grossmünster

«Eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit, die vor über 200 Jahren im Glarus begangen worden ist, bringt uns heute zusammen», sagte Landammann Dr. Andrea Bettiga an der Anna-Göldi-Gedenkfeier vom vergangenen Mittwochabend im Grossmünster in Zürich. Der Gedenktag stehe im Zeichen der Menschenrechte fuhr Bettiga fort, denn selbst in unserer Zeit geschehe noch Unrecht überall auf der Welt. Der Glarner Landammann erinnerte aber auch an die fortschrittlichen und positiven Taten, die in der Vergangenheit im Kanton Glarus geschehen sind. Umso unverständlicher sei die damalige Tat an Anna Göldi.

Szenisches Spiel

«Steine nichts als Steine, wo man hinschaut, wenn man auf meiner Spur zurückgeht.» Mit diesen Worten begann und endete ein eindrückliches szenisches Spiel, aufgeführt durch eine Sekundarschulklasse aus Glarus. Die Schülerinnen und Schüler, die mit einem roten Band mit der auf der Treppe thronenden Figur (vermutlich Göldi darstellend) verbunden waren, schilderten in deutlicher und gut verständlicher Sprache Begebenheiten aus verschiedenen Lebensabschnitten der unglücklichen Anna Göldi bis zu ihrem tragischen Ende. Der Text hatte Lehrerin Brigitte Zambelli in Anlehnung an Eveline Haslers Roman zusammengetragen. Die Gesamtleitung des szenischen Spiels lag in den Händen von Betty Legler, die anschliessend in einer Uraufführung das eigens für diesen Anlass komponierte Lied «Unschuld» vortrug. Unterstützt wurde die Aufführung des Spiels durch musikalische Akzente der «Spielleute» Matthias Lincke und Dide Marfurt.

Eine unabhängige Justiz

Seit dem Buch von Walter Hauser wisse man, dass es sich bei der Tat an Anna Göldi in Glarus um einen Justizmord gehandelt habe, sagte alt Bundesrätin Elisabeth Kopp in ihrer Ansprache. Göldi sei unter grausamen Foltermethoden zu einem Geständnis gezwungen und von einem unzuständigen Gericht verurteilt und hingerichtet worden. Kopp schilderte die Umstände, die zu dieser Tat führten. Es ging damals darum, ein hochangesehenes Mitglied der Glarner Gesellschaft vor einem Skandal zu bewahren. Dank der Stiftung sei Anna Göldi durch die Glarner Behörden endlich rehabilitiert worden. Es sei aber auch Zweck der Stiftung, auf die Verletzung von Menschenrechten weiterhin aufmerksam zu machen. Kopp plädierte auf das Recht und die Pflicht einer unabhängigen Justiz als Pfeiler eines Rechtsstaates. Auch in unserem Land wolle die Stiftung auf Mängel im Rechtsstaat hinweisen. «Wenn Anna Göldi schon sterben musste, so soll ihrem Tod wenigstens ein Sinn gegeben werden», sagte die Rednerin zum Schluss.

Die sehr gut besuchte Feier im Zürcher Grossmünster eröffneten und beendeten, nach einem Grusswort von Stiftungspräsidentin Nicole Lieberherr, die «Spielleute» Matthias Lincke und Dide Marfurt mit Musik auf historischen Instrumenten.