Am 3. Mai sowie am 25. Oktober vergangenen Jahres fanden in Glarus zwei Unterschriftensammlungen statt. Darin wurde der Forderung nach einem verbesserten Zugang für hörbehinderte Zuschauer zum Angebot der drei privaten Fernsehstationen 3+, STAR TV und Tele Südostschweiz öffentlich Ausdruck verliehen. Initiatorin der Aktion, die zudem das Ziel verfolgte, auch nichtbehinderte Fernsehkonsumenten für die Bedürfnisse hörgeschädigter Zuschauer zu sensibilisieren, war eine selbstbetroffene Seniorin aus der Region.
Leider hat sich aber in Punkto Umsetzung der durch die Unterschriftenaktion nun auch in der regionalen Öffentlichkeit publik gemachten Forderungen bislang noch wenig getan. Die erwähnten drei Privatsender tun sich weiterhin schwer damit, ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kunden auf finanzieller sowie auch auf konkret handlungstechnischer Ebene wirksam nachzukommen. Von Verantwortung sprechen hörbehinderte Zuschauer deshalb, da ja auch sie als Kabelnetzkunden selbstverständlich ihre Gebühren entrichten und genau wie alle nichtbehinderten Fernsehzuschauer auch, zwangsläufig die regelmässig ausgestrahlten Werbesendungen konsumieren. Sie sind somit vollwertige Kunden, die ein Recht darauf haben, in ihren Anliegen ernst genommen zu werden.
Kann Linth Signal AG helfen?
Nicht wirklich als Kunden behandelt fühlten sich hörbehinderte Fernsehkonsumenten bisher auch, wenn es um die Nutzung des Angebots des regionalen Kabelnetzanbieters Linth Signal AG ging. Der Präsident des erwähnten Anbieters, Herr Peter Bertschinger vom Mollis GL, wurde am 3. Juli 2008 schriftlich angefragt, ob und wann damit zu rechnen sei, dass der Schweizer Privatsender STAR TV durch das deutsche Programm das 4. ersetzt werden würde. Leider bleibt die Anfrage auch ein Jahr später unbeantwortet.
Die Frage ist für hörgeschädigte Zuschauer jedoch durchaus relevant, weil sich in mehreren Tests herausgestellt hat, dass ausländische Programme wie z.B. CNN oder WDR Fernsehen im regionalen Kabelnetz durch mangelhafte Bildqualität negativ auffallen. Da hörbehinderte Menschen durch den Wegfall sämtlicher akustischer Reize vollständig auf visuelle Eindrücke angewiesen sind, beeinträchtigen die zuweilen auftretenden Bildstörungen und Farbfehler ihren Fernsehgenuss ganz erheblich.
Auch die Anschaffung oder Miete einer sog. Set-Top-Box des Dritt- bzw. Mittlerunternehmens Cablecom schafft hier nur bedingt Abhilfe. Die Bildqualität verbessert sich zwar, wenn man sein Senderangebot über Cablecom bezieht, jedoch sind dann vermehrt Ausfälle des Untertitel-Kanals, auf den hörbehinderte Menschen ja ebenfalls angewiesen sind, zu beobachten. Der Kabelnetzbetreiber Linth Signal AG bezieht sein Programmangebot aber von eben dieser Mittlerfirma Cablecom, welche sich, wie aus zahlreichen, vom hiesigen Thema unabhängigen Medienberichten hinlänglich bekannt sein dürfte, in Sachen Kundenbetreuung nicht eben einen positiven Ruf verschafft hat.
Die hörbehinderten Kunden befinden sich also in einem Dilemma; weder Linth Signal AG noch Cablecom garantieren ihnen einen störungs- und barrierefreien Zugang zu ihrem Programmangebot.
Für sämtliche Kunden der Linth Signal AG gäbe es aber eine schmerzlose, jedoch äusserst wirkungsvolle Alternative. Dazu müsste sie ihre Programmdaten nicht länger über die Mittlerfirma Cablecom beziehen – womit auch die häufigen Ausfälle des Untertitelkanals für Gehörlose wegfallen würden -, sondern sie könnte die Programme stattdessen direkt über einen Satelliten empfangen, um sie hernach in ihr eigenes Kabelnetz einzuspeisen. Diese Lösung würde es hörbehinderten Kunden ermöglichen, auch Set-Top-Boxen anderer Firmen einzusetzen und somit bildstörungs- und farbfehlerfrei fern zu sehen.
Als Kunde ernstgenommen werden
Diese Lösung hätte aber auch für die übrige Kundschaft sowie für die Linth Signal AG selbst erhebliche Vorteile: Die Monopolstellung der Cablecom auf Set-Top-Boxen würde fallen, und für sie wäre zudem die Gefahr, eines Tages ihre gesamte Netzinfrastruktur an den Giganten verkaufen zu müssen, gebannt. Arbeitet sie aber weiterhin mit der Cablecom zusammen, so riskiert sie, dass auf Dauer immer mehr Kunden ihren Kabelanschluss kündigen und ihr Fernsehprogramm stattdessen über einen Satellitendecoder beziehen werden.
Viele hörbehinderte Menschen würden eigentlich gerne Abonnenten der Linth Signal AG bleiben. Dies bedingt aber, dass sie im Gegenzug vom Kabelnetzbetreiber als Kunden ernst genommen werden. Sie hoffen daher auf ein Angebot von dieser Seite, welches auch ihren spezifischen Bedürfnissen Rechnung trägt – dies allerdings in stärkerem Masse, als es bislang leider der Fall gewesen ist.
Gertrud Wyss, gehörlos.




