Die Charakterzüge der Hauptpersonen werden von Camenisch in bildhaft starker Sprache nachgezeichnet. Sie sprüht vor Lebensfreude, blüht richtig auf, macht sich schön für Diner und Tanzabend, geniesst Ungewohntes, Neues, vermag sich nachvollziehbar für gar vieles zu begeistern. Davon liessen sich die erfreulich vielen Zuhörer in der Buchhandlung Wortreich in Glarus richtiggehend anstecken, mitgeniessend, sich problemlos einfühlend. Der im Roman geschilderte Mann scheint gegen alles immun, was positiv, ändernd, kurzweilig ist. Er ist ein Miesepeter erster Güte, ein ewiger «Chnurri» und absoluter «Bünzli»; einer, den man wegen seiner kauzigen Reaktionen und der nörgelnden Besserwisserei ins Pfefferland entlassen möchte – und der dennnoch ein klein wenig fasziniert. Das ist wegen seines Plastiksacks, den er immer mit sich führt, der ein gar spannendes Innenleben hat. Man fragt sich zuweilen, was da noch alles zum Vorschein kommt. Es ist auch die Vielzahl von eigentlich unwillkommenen, nicht zwingend notwendigen Kommentaren zu allen Situationen, sei das zu Hause oder eben in der Kur. Dann ist es die Spannung über die Frage, wie lange eine Frau derart starkes Nörgeln, Belehren und schnödes Kommentieren zu ertragen gewillt ist.
Arno Camenisch gab den Zuhörenden mit einigen der insgesamt 47 im Roman enthaltenen Bildern Gelegenheit, sich reinzudenken in kurz angedeutete Lebensstationen wie Liebe, Sehnsucht, Tod, Bewältigtes, Erfahrungen, Vermutungen und Visionen. Diese Bilder sind beispielsweise mit «Im Ort», «Schwimmbad», «Hinter dem Hotel auf dem Parkplatz», «Vor der Vitrine mit den Kuchen», «Bei der Kapelle», «Irgendwo in den Hängen» «Kurz vor Mitternacht in der Bar» bezeichnet. Camenisch schreibt in oft knappen Sätzen, bildstark deutlich, klar ausdeutend. Man gewinnt dieses Dahinziehen durch die verschiedenen Stationen eines Aufenthalts lieb, lässt Stimmungen mit kurzem Verharren gerne zu, spürend, das Camenisch Direktheit und erfrischendes Charakterisieren liebt.
Mitgetragen wurden die wechselvollen, kurzweiligen Aussagen von Julian Sartorius, einem bemerkenswert einfühlsam, kreativ und virtuos ausdeutenden Schlagzeuger, der literarische Stimmungen in ganz spannender, vielschichtiger Art aufleben liess.
In einem zweiten Teil las Camenisch kurze Texte, schwungvoll, leidenschaftlich, beseelt, stimmungsstark, an verschiedene Stationen entführend und mannigfaltige Begegnungen, in vielen Städten und an verschiedenen Stätten zu bewegendem Leben erweckte.
Die Kulturbuchhandlung im Abläsch Glarus hat zu einem absolut spannenden Begegnen eingeladen. Man kam und verweilte gerne und verstand, dass der 1978 im bündnerischen Tavanasa geborene Arno Camenisch Träger vieler bedeutsamer Auszeichnungen ist und Sartorius vor zwei Jahren für den Schweizer Musikpreis nominiert worden war.
Kolumne: Zuversicht – trotz allem







