Zurück ins Zeitalter, wo 1 PS noch für viele Aufgaben genügte!

Am Donnerstag, 2. Mai, fühlten sich 20 Jahrgänger vom Jahrgängerverein 1936–1940 Glarus-Riedern ins letzte Jahrhundert zurückversetzt. Unser Vereinsmitglied Ruedi Bieri hat während 36 Jahren an der Stampfgasse in Glarus als Hufschmied gewirkt. 1955 hat Ruedi bei seinem Vater die Lehre begonnen und bis 2005 die Schmiede am selben Standort weitergeführt. Als zweite Möglichkeit zur Berufsausbildung hatte Ruedi damals Bergführer im Visier. Er hat sich aber schlussendlich doch fürs Pferd entschieden.




Schon beim Eintritt in seine Werkstatt fühlten wir uns in unsere frühe Jugendzeit in den Vierzigerjahren zurückversetzt. Da begegnete man auf vielen Bauernhöfen jeweils noch einem Arbeitspferd. Im Frühling, Sommer und Herbst zum Ziehen des Pfluges, der Egge oder des Güllewagens. Im Winter wurden die 1PS-ler vor den Schneepflug gespannt oder haben als Spezialeinsatz die Schlitten mit den Eisplatten aus dem Klöntal ins Bierdepot geschleppt. Als Kind hat der Schreibende auch schon mal mit Schaufel, Kratzer, Besen und Kübel ausgerüstet auf den Strassen die «Rossböllen» eingesammelt. Die waren, soviel ich mich erinnern kann, gut zur Förderung des Wachstums der Erdbeeren oder waren es die Rosen?

Die Pferde brauchten alle 6–8 Wochen eine Pedicurebehandlung und kriegten dann jeweils auch schon mal ein neues Hufeisen angepasst. Die von Pferd und Meister beliebteste Adresse im Glarnerland dafür war Ruedi Bieri an der Stampfgasse.

Eine unglaubliche Anzahl Werkzeuge, Hämmer, Zangen für die Handarbeiten und Massen von Hufeisen in verschiedenen Grössen für Ponys und Brauereipferde schön sortiert und aufgehängt an den Wänden, zeugten von der Vielseitigkeit des Berufs Hufschmied, dazu mehrere Hundert Kilo schwere Ambosse und eine mit elektrischem Ventilator ausgerüstete Esse zum Glühen der Eisen. Ganz früher diente noch ein handbetriebener Blasbalg dem Feuern. Urtümlich anmutende Pressen und Stanzen sowie ein 100 Jahre altes, luftbetriebenes und noch betriebsbereites Hammerwerk zeigten, dass auch beim Schmied eine Art Industrialisierung stattfand. Mittels Transmissionsantrieb hat Ruedi die Höllenmaschine noch in Betrieb genommen. Dies nachdem alle Anwesenden den notwendigen Sicherheitsabstand eingenommen haben. 

Einen superinteressanten Einblick in ein heute in der Öffentlichkeit kaum mehr bekanntes Handwerk hat uns Ruedi mit seinen Ausführungen über sein Berufsleben geschenkt. Die Schmiede an der Stampfgasse, gleich hinter dem «Glarnerhof», bleibt weiterhin bestehen, so quasi als «lebendes Museum».

Im Anschluss an die Betriebsbesichtigung verschob sich unsere Truppe gleich um die Ecke in den «Glarnerhof» zum Zvieri-Bier.