Zwei Glarner auf Südkoreas Bühnen

Die Botschaften der deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und der Schweiz organisieren alljährlich in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul den «Tag der deutschen Sprache». Die Kulturbeauftragte der Schweizer Botschaft, Doris Wälchli-Giraud, und ihre Assistentin Suna Kim haben für die diesjährige Ausgabe als Schweizer Beitrag den Glarner Schriftsteller Martin Carl Mächler und die «Radio Zürisee»-Stimme Markus Stadelmann eingeladen.




Ihr literarisches Kabarett «Et cetera p.p.», mit dem die beiden nebst der Heimat auch schon Berlin und Moskau bespielt hatten, erfuhr auf diesem Weg seine Uraufführung im asiatischen Raum. Das Programm widmet sich mit skurrilen Texten, waghalsigen Analysen und witzigen Anekdoten der Frage, was Literatur ist und was sie ausmacht.

Obschon die offizielle Veranstaltung im voll besetzten Saal des Goethe Instituts Seoul vorwiegend in deutscher Sprache stattgefunden hatte, wurde das komplette Kabarett eigens für diesen Anlass mit einem koreanischen Untertitel versehen. So war es dem heimischen Publikum auch ohne perfekte Deutschkenntnisse möglich, dem Wortwitz des Programms zu folgen.

Martin Carl Mächler, der bereits seit Juli 2015 mit seiner Frau in der koreanischen Hauptstadt lebt und Autor des Programms ist, meinte nach dem Anlass: «Es war für uns eine grosse Ehre, an diesem Tag die Schweiz vertreten zu dürfen – auch wenn es ein gewaltiges Experiment war, das Programm in einem anderen Kulturkreis zu zeigen. Da das ursprüngliche Mundart-Programm auf den Schweizer Humor abgestimmt ist, mussten ein paar Abschnitte angepasst werden. Es war aber dennoch äusserst spannend festzustellen, dass die meisten Pointen unabhängig vom Kulturkreis funktionieren. Speziell für uns war zudem, dass der fixfertige Text schon Wochen vor dem Anlass zur Übersetzung abgeliefert werden musste. Spontane Änderungen oder gar improvisierte Passagen waren daher für uns beide nicht möglich – auch wenn wir auf der Bühne eigentlich dafür bekannt sind.»

Sein Bühnenpartner Markus Stadelmann war speziell für diesen Anlass nach Seoul gereist. Sein erster Aufenthalt in Asien überhaupt hätte im Vorfeld jedoch beinahe abgesagt werden müssen. «Aufgrund des äusserst kurzfristig angekündigten Streiks einer Fluggesellschaft wurde mein Hinflug 24 Stunden vor dem Abflug gestrichen. Dank der freundlichen Unterstützung und des schnellen Handelns verschiedener Personen und Firmen in der Schweiz und in Südkorea konnte ich die Reise mit einer kleinen Verspätung schliesslich doch noch antreten. Eine Erfahrung, die ich nur ungern missen würde. Ich bin fasziniert von Land und Leuten, deren Freundlichkeit und Offenheit – aber vor allem auch vom lokalen Essen!», meint Stadelmann mit einem Lachen.

Nach dem Programm im Goethe Institut wurden die beiden von einer weiteren kulturellen Eigenheit überrascht: Viele Besucherinnen und Besucher wollten sich mit den beiden «Fremden» fotografieren lassen. «Ich glaube, ich wurde innert einer Stunde noch nie so oft fotografiert», meinte Mächler lachend.

Getan war die Arbeit nach diesem einen Auftritt allerdings noch nicht. Es folgten weitere Shows an der Deutschen Schule Seoul, sowie an der Ewha Womans University und der Incheon National University. «Mit jedem zusätzlichen Tag fiel mir auf, dass sich die Kultur der Schweiz eigentlich gar nicht so stark von derjenigen Südkoreas unterscheidet», meinte Stadelmann kurz bevor er nach nur gerade einer Woche in Seoul die Rückreise in die Schweiz angetreten hat. Ein Rückreise mit vielen neuen Bekanntschaften, Eindrücken und Erfahrungen im Gepäck.