Zweihundert Jahre – rund um den Tödi

Ebenso gross wie der Aufwand fürs Jubiläum «200 Jahre Erstbesteigung Tödi» waren das beeindruckend sorgsame und umsichtige Organisieren aller Teile dieser stark beachteten Anlässe, die unter anderem eine sehenswerte Ausstellung mit mehr als zweihundert Gemälden im Güterschuppen Glarus, das in enger Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Emil Zopfi entstandene Theaterstück «Speck auf dem Tödi» mit dem Schauspieler Gian Rupf und den ihn stimmungsstark begleitenden Akkordeonisten Fränggi Gehrig, einer lesenswerte Broschüre zur Fülle des Gebotenen.



Kaspar Marti im Gespräch mit Emil und Christa Zopfi (von rechts) (sämtliche Bilder: peter Meier)
Kaspar Marti im Gespräch mit Emil und Christa Zopfi (von rechts) (sämtliche Bilder: peter Meier)

Der Festakt mit einer Rede von Regierungsrat Dr. Markus Heer und einer «Fragestunde» durch Hansueli Rhyner, Präsident des OKs zum Inhalt haben. Die majestätische Ewigkeit des protzigen Riesen stand unlängst im Mittelpunkt, war stark besucht und – was das Theaterstück betraf – mit ganz viel Beifall bedacht.

Festliches im Güterschuppen Glarus

Im Zentrum des Geschehens stand die vor zweihundert Jahren erfolgte Erstbesteigung. Es ranken sich viele Fragen um diese Tatsache, um die effektiv drei verschiedenen Tödi-Gipfel. Wem gelang diese alpinistische Grosstat? Welcher der drei Gipfel wurde erklommen? Genügt eine im ewigen Schnee zurückgelassene Speckschwarte als Beweis? Auf der einen Seite des klobigen Riesen wohnten die katholischen, romanischsprachigen Bündner, ennet dem Berg waren es die reformierten Glarner mit oft eigenwilligen Heimischen. Einige von ihnen waren bergverrückt, versessen, als erste Bezwinger in der alpinen Geschichte verewigt zu werden.   

Eingestimmt wurden den vielen Besucherinnen und Besuchern des Theaterstücks mit beinahe zahllosen Bildern des Tödis, die im Güterschuppen bis 9. Juni einsehbar sind. Die bereitgestellten Sitzflächen waren schnell belegt. Begrüsst wurden alle – dies in wohltuender Kürze – von Hansueli Rhyner, dem Präsidenten des OKs. Unter den sehr zahlreichen Gästen weilten Vertreter des Linth Parks und der Glarner Regionalbank, Regierungsrat Dr. Markus Heer, der Schriftsteller Emil Zopfi und Thomas Kistler, Gemeindepräsident von Glarus Nord, Gian Rupf und Fränggi Gehrig hatten vor Spielbeginn den Tödi mit farbigen Glitzerfolien nachgeformt, damit die wenigen Theaterrequisiten abgedeckt.

Musik und Theater, Geschichtliches

Dann hiess es «Bühne frei» für ein weit zurückliegendes Geschehen, das Gian Rupf, gestenreich schildernder, tanzender, beschwörender, historische Fakten zitierender Schauspieler zu wechselvollstem Leben und Miterleben erweckte. Vom Akkordeonisten Fränggi Gehrig wusste er sich musikalisch einfühlend und kunstreich begleitet. «Tööödi» – melodisch, zerdehnt lässt sich der Name aussprechen.
Und wer bestieg ihn zuerst?
Es sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Gämsjäger Augustin Biscuolm und Placi Curschellas die dank sorgsamer Anleitung des damals 71-jährigen Benediktinerpaters Placidus a Spescha am 1. September 1824 den Gipfel erreichten und als «Beweis» eben die dank Emil Zopfi literarisch bewiesene Speckschwarte zurückliessen.
Gian Rupf rückte weitere Alpingrössen ein; so Dr. Johannes Jakob Hegetschwiler – er wurde Opfer eines politisch motivierten Attentats; Bernhard Vögeli; Friedrich von Thürler – der seinen Aufstieg meisterhaft zu zelebrieren wusste und ausgerechnet beim allzu kühnen Abstieg vom Uetliberg tödlich verunglückte; Rudolf Theodor Simmler, vom Tödi ebenso fasziniert wie viele andere auch. Auch das von vielen Kurgästen besuchte Bad Stachelberg im hintersten Teil unseres Bergtals fand gebührend Erwähnung, samt Flirts, Gelagen, Tanz und weinseligen Gesprächen.

Simmler gab sich am 30. Juli 1861 als Tödi-Erstbesteiger aus, glauben wollte ihm das fast niemand. Mit 35 Berg- und Gletscherfahrern – mit Gleichgesinnten – gründete er den Schweizerischen Alpenclub.
Ganz langer und hochverdienter Beifall war starker Beweis für Schauspielkunst, Akkordeonmusik und viele zitierte historische Inhalte. Den Speck hatte Gian Rupf unter die Anwesenden verteilt, etwas blieb – eingewickelt in ein verschwitztes Nastuch – zurück.

Gespräche, Ausklang

Emil Zopfi wurde zu seinem Bezug zum Tödi befragt. Er sei als damals Vierzehnjähriger mit seinem Vater rund um den Tödi gewandert – lange und begeistert. Hansueli Rhyner zeigte mittels Bildmaterial verschiedene Aufstiegsrouten samt Sandgipfel, Bifertenfirn, Hegetschweilerplatte, Grünhornhütte und anderem.
Regierungsrat Dr. Markus Heer, leicht hungrig wie er zugab, wich vom Tödi weg. Der Glärnisch sei sein Hausberg gewesen, auch wenn der Tödi – wie auch der Landammann – der höchste Glarner sei. Er kam auf die Magie der Berge, den Wagemut der Alpinisten, aufs Scheitern bei Besteigungen, aufs erneute Rantasten, das Bewältigen von Gewagtem, Mut, Ausdauer, Pioniergeist und anderes zu reden. Er lobte zu Recht die Ausdauer und Kompetenz jener, die sich des Jubiläums angenommen haben; es sind dies neben Hansueli Rhyner, Hans Rauner, Richard Bolt, Ernst Müller, Kaspar Marti, Delia Landolt, Maya Rhyner, Fridolin Hösli und Gabriela Heer mit vielen Helferinnen und Helfern.

Und dann war es Zeit fürs kulinarische Verwöhnen und Geniessen, fürs Verweilen und einen gar regen, langen Gedankenaustausch, das nochmalige Betrachten der vielen Bilder, ans Zurückerinnern, vielleicht auch für den Entscheid, den Tödi mit kundiger Hilfe mal genauer kennenzulernen und von dort aus jene Aussicht zu geniessen, die so oft zitiert worden war.