Krohn, Träger des Kulturpreises des Kantons Glarus des vergangenen Jahres, schreibt bildmalerisch, elegant, wirkt als ungemein feinsinniger Betrachter, präsentiert Charaktere, die Hinhörende unweigerlich in ihren Bann ziehen, Spannungen aufbauen, die zur Neugier führen und den beinahe unstillbaren Wunsch wecken, von den Dargestellten möglichst alles zu erfahren. Krohn verfügt über eine subtile Art, sich in die Personen aus «Irinas Buch der leichtfertigen Liebe» und die drei Schauplätze der Handlung und des zuweilen, rasch wechselnden verwirrlichen Geschehens mit Akribie und Leidenschaft zu versetzen, sie zu begleiten und zu gar facettenreichem Leben zu erwecken. Es beschert zuweilen Probleme, die sprunghaften Wechsel zwischen der Übersetzerin Dunja/Jeanne, halb Russin und Französin, ihrem Mann Ira, den russischen Filmproduzenten und Iras Jugendliebe Ewa, einer norwegische Malerin, mitzuvollziehen. Einem starren Schema folgend, bedient sich Krohn der Faxe, die zwischen den sehr wechselvoll Agierenden hin- und hergeschickt werden, Aufruhr, Tränen, Erschütterung, Übermut, Lustvollstes, Erregungen, Zärtlichkeiten oder vernichtendes Werten hervorrufen. Entstanden ist das häppchenweise servierte Geschehen nach einer langen Nacht, in deren Verlauf der Autor die scharfzüngige, kokettierende und leidenschaftlich urteilende Exilrussin Irina Jurijewna kennenlernte und sich mit ihr auf die von Krohn konsequent aufgebaute und durchgezogene Form einigte. Irina erhielt die versprochene Teilfassung, reagierte – es folgte die korrigierte Form. Ein Weiterfahren war möglich. Das faszinierende Spiel dauerte, wie abgemacht, den ganzen Sommer. Nun war es gar nicht so, dass Krohn mit beinahe leidenschaftslosem Vortragen und hurtigem Weiterfahren ohne Pause durchs Geschehen führte. Das spannende Schildern wurde in Portionen, mit klug gesetzten Zäsuren, serviert. Vilma und Daniel Zbinden, routiniertes und aufeinander hervorragend abgestimmtes Duo, schienen den literarischen Reichtum aufzunehmen und mit den witzigen, neckischen, kurzweiligen, sehnsüchtig aufkeimenden musikalischen Fragmenten auszuspielen. So wuchs ein faszinierendes, lieblich vermischtes Zusammensein. Die von Krohn so meisterlich geschilderten Gedanken- und Gefühlswelten seiner Hauptpersonen, deren Leben an den verschiedenen Schauplätzen, flossen in die wechselreiche und enorm kunstvoll interpretierte Musik von Gavrilin ein. Irgendwie hätte das einfach so weitergehen, weiterfliessen können, in Momente mündendArtikel, in denen man nicht mehr der einfach Hinhörende war, sondern sich als Vertrauter mit dem Geschehen, darin Verharrender ertappte. Die ungemein dichte, virtuose Sprache und die Musik waren plötzlich erfüllende Ganzheit, aus der man sich ungern, beinahe widerwillig rauslöste, um sich – wohl oder übel – in die reale Welt zurückzubegeben.
50 Jahre R.Quadri AG – zwei Generationen, eine Firmengeschichte


