Zwischen den Regentropfen – Ferruccio Cainero im Freulerpalast

Es gehört zu einer geschätzten, stark beachteten Tradition, dass nach der jeweiligen Mitgliederversammlung der Kulturgesellschaft Glarus samt anschliessendem Apéro eine Begegnung mit Kunstschaffenden angeboten ist. Eingeladen war Ferruccio Cainero, der sich einer fordernden Thematik in faszinierender, wort- und gestenreicher Art über eine ganz spezielle Erzählstunde hinweg annahm.



Ferruccio Cainero im Freulerpalast (Bild: peter meier)
Ferruccio Cainero im Freulerpalast (Bild: peter meier)

Ferrucio Cainero, 1953 im italienischen Udine geboren, lebt und arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten in der italienischsprachigen Schweiz. Über viele Landesgrenzen hinweg ist er als Theaterschaffender, Regisseur und Autor bekannt. Sein Schaffen ist mit mehreren Kulturpreisen ausgezeichnet worden.

Im Rittersaal des Näfelser Freulerpalasts machte er ausschnittsweise mit seinem Programm «Zwischen den Regentropfen» bekannt, dies ungemein lebhaft, mit hohem innerem Engagement und fundiertem Wissen, das weit über irgendwie fallende und dahinfliessende Wassertropfen hinausreicht. Cainero malt aus, mahnt mit deutlichen Worten, zeigt Irrsinniges, Unverständnis Weckendes auf, rüttelt an Bewährtem, zitiert Wissenschaftliches, weist beispielsweise auf Ueberproduktionen und höchst umweltschädigendes Vernichten von Textilien hin, begleitet den fallenden Tropfen auf seiner Reise in der Erde, befasst sich mit dessen Aufplatzen auf irgendwelchen Untergründen, redet über Wärme und Kälte in den Tropfen. Klar wird jedem, wie wertvoll und notwendig Wasser ist, wie unvorsichtig und unsorgsam damit umgegangen wird, wie leichtsinnig Verluste in Kauf genommen, wie unbedacht Gefährdendes aufgenommen werden.

Nun war es alles andere als ein fundierter, wissenschaftlicher Exkurs. Cainero verflicht Erkenntnisse, eigene Gedanken, durchaus Humorvolles, Mahnungen, Aktuelles und Geschichtliches kenntnisreich und publikumsnah ineinander.
Wasser ist bedeutsamste Lebensgrundlage, Regentropfen lässt er erzählen, erleben, wirbeln, vergehen. Er zieht weit gespannte Bogen, blickt um Jahrtausende zurück, bezieht alte Völker, riesige Wasser- und Geldflüsse mit ein, switcht in grandiosem Tempo in zahlreichen Tatsachen, Erkenntnissen und Vermutungen rum, kommt auf eigene Jugenderlebnisse aller Art zu reden, rutscht ab Wissenswertem in höchst Vergnügliches, äussert sich durchaus scharfzüngig zu belastend Weltpolitischem – einem Tropfen gleich, der auf seiner Reise soviel sieht.

Cainerio ist zuweilen liebenswürdig, dann wieder willkommen überdeutlich zeitkritisch. Er ist genussreicher Betrachter jener Regenbogen, die so spielerisch unterwegs sind, die schwimmen, aufplatzen, ineinanderfliessen, Geschichten hergeben, die so nachvollziehbar miterlebt werden, die an die Adresse von Ferruccio ein riesiges Dankeschön auslösen, an ihn der schon dreimal mit Auftritten im Glarnerland geweilt hat.