Bernhard Furchner – Abschied von der Kantonsschule Glarus

Bernhard Furchner verlässt nach 38 Jahren eine der Wirkungsstätten, die von seinem engagierten musikalischen Wirken profitiert hat. Vielen Jugendlichen gab er ein gut gefülltes Paket mit. Zum Inhalt hat es Grundlegendes, Aufmunterung, Spiel, Übungseinheiten, Einstudieren für Auftritte, Mitwirken im Ensemble samt Abstimmen, Besprechen, Ausprobieren, Fördern der persönlichen Begabung. Es sind unverzichtbare Elemente für das Wachsen und Werden in jener Sparte, die Bernhard Furchner so sehr am Herzen liegt, die sein Leben ist.



Ausspannen und sich irgendwohin zurückziehen wird er nach dem Verlassen der «Schulbühne» kaum. Das bewies er mit vielen Interpretierenden am zeitlich sehr knapp vorangekündigten Konzert in der Aula der Kantonsschule. Es traten über bewegende, anderthalb Stunden hinweg Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Klassen der Kanti Glarus, der Chor der Nationen Glarus und Musiker des Orchesters der Nationen auf. Das Ausdrucksfeld war weit, ab John Lennon und Ben E. King (Klassenchor mit Schülerband) Chorgruppe der Kanti unter Leitung von Andrea Tschudi mit Einblicken in das aktuelle Programm, Klassenchor 6U mit einer Karaoke-Fassung, Ensemble Schwerpunktfach Musik, von Orchestermusikern einfühlend begleitet, die Maturaarbeit im Bereich Free Jazz mit Matis Sulser und Tobias Jakober und dem Auftritt des Chors der Nationen samt Schlussaufführung mit allen Beteiligten – und das war eine gar muntere, lebhafte, gut eingestimmte Schar.

Die kurzen Moderationen für den Abschied aus der Kantonsschule hatte Bernhard Furchner grad selber übernommen. Dank Zutun einiger Helferinnen und Helfer gelang die Organisation des Abschiednehmens samt Apéro und Wettbewerb mit attraktiven Preisen (Aufenthalt in Kuba mit Gastgeber Furchner, Ausfahrt mit Oldtimer und anderem). Die Gäste dieses Abends waren von Lebhaftem, Munterem, Unbekümmertheit, keckem Singen, beinahe Profihaftem, erfüllender Vielfalt umgeben, einbezogen in ein Adieu, das eben doch kein endgültiges Weggehen ist. Bernhard Furchners Multinationalität, sein Hinführen in bewährt «Einheimisches» und fremde Klangkulturen wird wohl weiterwirken. Man freute sich über die riesig wechselreichen Auftritte an diesem «Abend en famille» und den Lebenswelten, wie sich Furchner ausdrückte. Er habe unlängst ein Tor mit der Aufschrift «Alles ist Durchgang» passiert. Zu diesem Durchgang gehören Zugang, Abgang, Weggang, Nachgang – es gäbe Grund zum Philosophieren. Beschränken konnte man sich auf Eingängliches, den Zugang zu Neuem, beeindruckend Vorgetragenem. Aus der musikalischen Vielfalt Einzelheiten rauszulösen, zuweilen magistral Aufklingendes, gekonnt Interpretiertes besonders zu würdigen, fällt angesichts der Kompaktheit des Programms schwer. Mit Worten allem adäquat gerecht zu werden ist unmöglich. Die Unbekümmertheit und Frische waren erfüllend. Man bestaunte das oft hohe Niveau, das Einfühlungsvermögen, den Schwung und die Qualität der ausgesungenen englischen Sprache, die Bereitschaft, sich spürbar Forderndem hinzugeben. Via Medien hatte man vieles schon oft gehört, was in wieder willkommener Art auflebte. Es ist den jugendlichen Sängerinnen – Burschen hatten sich kaum dazugesellt – hoch anzurechnen, dass so intensiv eingeübt worden war, dass die Auftritte klappten. Beifall und Anteilnahme waren stets verdient gross. Es ergab sich eine gar lockere, fröhliche Stimmung, in der auch Besinnlichkeit und Nostalgisches Platz hatten.

Bernhard Furchner wies auf Kuba, seine zweite Heimat samt Projektarbeit, hin. Er sammelt beispielsweise «ausrangierte» Violinen und weitere Instrumente, die bei uns bereits ihren Ruhestand begonnen haben. Die werden in Kuba sachgerecht aufgefrischt und praktisch kostenlos an Musikschulen weitergegeben. Damit kann der musikalische Unterricht von kompetenter Seite angeboten bleiben. Die Vielseitigkeit als Lehrkraft an Primar- und Hochschulen sowie an Gymnasien und die Tätigkeit als Musiker mit ungeheurer kultureller Vielfalt werden Bernhard Furchners Alltag weiter prägen und ihm inskünftig ein noch intensiveres Leben und Erleben im fernen Kuba und in den «heimischen Gefilden» erlauben.

Von seinem Chor der Nationen erhielt er als Geschenk einen unübersehbar grossen Stuhl, der für umfassendes Relaxen gedacht ist. Auf ihm hielt es Furchner nicht lange aus. Als nach Harfen- und Flötenklängen die dunkelhäutigen Perkussionisten aufspielten, zogen ihn die Rhythmen sprichwörtlich von der Sitzfläche hoch. Er begann mitzuwirken, knapp aufzeigend, wie es wohl für ihn weitergehen wird, auf vielen Bühnen und mit Menschen verschiedenster Kulturen.