Duo Calva – die Aufwartung in der Stadtkirche Glarus

Wer im Glauben war, dass sich Celli und Spieler in der Stadtkirche Glarus von ihrer ernsthaftesten Seite samt durch und durch klassischem Programm zeigen würden, hatte sich arg getäuscht, hatte sich dafür mit einer musikalischen und komödiantischen Art samt witzigen Wortspielereien auseinanderzusetzen. Verantwortlich für diesen munteren Mix waren Alain Schudel und Daniel Schaerer, die mit ihrem Programm «Zwei Celli für ein Halleluja» auf Einladung des Kirchenrats Glarus-Riedern in der Stadtkirche Glarus zu Gast waren.




Beim frühen Betreten der grossen, historisch bedeutsamen Kirche wurde man durchs Mikrofon sofort herzlich begrüsst, kurz gemustert und gebeten, sich ganz vorne einzufinden, da noch rund 2000 weitere Gäste erwartet würden. Es war Sache von Andrea R. Trümpy, Mitglied der Kirchenbehörde unseres Hauptortes und für Kulturelles zuständig, alle gleichermassen herzlich willkommen zu heissen und auf die zu erwartende wirblige Vielfalt einzustimmen. Was die beiden Herren, Alain Schudel in tadellosem Weiss, nach eigenen Worten aus dem sonnigen, einfach riesig schönen Zürich angereist und Daniel Schaerer in korrektem, der hohen Bedeutung dieser Stunde angepassten schwarzen Frack, laut Schudel aus dem ständig trüben Aargau stammend, im Schilde führten, wurde ganz kurz angedeutet.

Man muss erlebt haben, wie eine komplette Oper mit oft dramatischstem Inhalt, in exakt 63 Sekunden – Konzertpause eingeschlossen – interpretiert wird. Es handelte sich um die ultimativste Kurzfassung der Mozart`schen Zauberflöte, selbstverständlich mit Ouvertüre, dem Auftritt der Königin der Nacht und dem grandiosen, bewegenden Finale.

Ein Jubiläum ist auch dazu da – gut schweizerisch – dass alle Landesteile und deren Kulturformen gebührend zur Geltung kommen. Mit der sprichwörtlichen «Leichtigkeit des Seins», einer ansteckenden Munterkeit, Geplauder und beinahe seriösem Hinführen zum Talerschwingen, Jodeln, La haut sur la montagne, Dett ännä am Bergli, Heidi – dein Herz sind die Berge, adrett inszeniertem «Im Aargau sind zwei Liebi», Landeshymne und andern ruck-zuck ausgespielten Fragmenten wurde man zum Durchqueren und kurzen Verweilen in verschiedenen Gegenden eingeladen. Die beiden Cellisten switchen mühelos, elegant, hochkonzentriert und brillant rum. Notenmaterial wäre im Weg gewesen, der zuweilen so notwendige Notenständer wurde gar nicht benötigt.

Ein ganz klein wenig irritierend war «ds Aglegg». Alain Schudel, wie eingangs erwähnt in makellosem Weiss, wurde von seinem Kollegen Schaerer schaurig abgekanzelt. Das zieme sich gar nicht, er laufe ständig in diesem auffälligen, riesig verschmuddelten, leicht fleckigen und zerknitterten Zeugs rum, dabei werde im Vertrag mit dem Organisator stets tadellose Konzertkluft verlangt. Irgendwann kam es zur Umkleideaktion auf offener Bühne. Schaerer als rasender, wahrlich beflügelter Engel auf Inlineskates samt Positionslämpchen, schaffte dezidiert Abhilfe – derart nachhaltig, dass auch Alain Schudel «konzerttauglich» auftreten konnte.

Der Zürcher bluffte, wie er schon im zarten Alter Paganinis extrem fordernde Variation auf einer Saite runtergespielt habe – schlichtweg als das Wunderkind der Stadt Zürich. Er zierte sich dann allerdings gewaltig, als es ums Wiederholen dArtikelieser musikalischen Superleistung ging. Und wenig später war zu erfahren, dass schon in früheren Jahren Fremde als komponierende Gastarbeiter eingestellt worden seien. Es gab zahllose Beispiele bis hin zu «Go Tell it on the Mountain» – also dessen Aufenthalt samt Walterli an den Gestaden des Vierwaldstättersees. Dass ein Cello der menschlichen Stimme, ja dem gesamten Körper nahesteht, Verliebtheit und erotische Ausstrahlung lebt, wurde ebenso verständlich wie überzeugend bewiesen. Es kam zum kurzen Dozieren und natürlich dem musikalisch gehaltvollen Interpretieren.

In anderen Teilen dieses munteren und kreativen Interpretierens samt liebenswürdigen Zwiegesprächen flossen Kaffeehausmusik, spanisches Temperament, Wärme, Genuss, Gemütlichkeit und anderes in höchst unterhaltsamen Wechseln ein.

Wer Rückschau halte – so ein weiterer von vielen Hinweisen – müsse auch in die Zukunft schauen. Nahziel sei die Fussball-WM. Man arbeite an der Eröffnungsmelodie, habe sich mit dieser Hymne beim OK bereits beworben. Der Name «Schweiz» verspreche einiges, öffne fast Tür und Tor. Blatter und Infantino wurden schon gar nicht erwähnt. Wie mitreissend diese Eröffnungsmelodie so sein könnte, wurde stilistisch perfekt ausgespielt.

Man wechselte zur Vielzahl der weitherum bekannten «Ave Maria», aus den Federn vieler Komponisten stammend. Auch in diesem Fall drängte sich eine bedeutsame Zusammenfassung auf. Es wurde mit gebührender Frömmigkeit auf den Knien gespielt, was dem Wert all dieser Kompositionen zugutekam.

Und schon war «Bach im Frack» dran. Mit starkem und langem Applaus wurde gedankt. Es war eine riesige, enorm kurzweilige und amüsante Konzertstunde.