Neubau Wasserkraftwerk Rufi – Moderner Kraftwerksbau mit innovativen Baumethoden

Der Neubau des Wasserkraftwerks Rufi an der Linth zwischen Diesbach und Hätzingen macht grosse Fortschritte. Obwohl der Boden bzw. die Geologie grössere Unwägbarkeiten für den Projektleiter der Jackcontrol AG, Matthias Kressibucher, und die beteiligten Planer und Unternehmer bereit hielt, konnte dank cleveren Baumethoden der Einbau der Turbine Anfang September erfolgen.




Die anschliessende Inbetriebnahme der Anlage ist für den Spätherbst dieses Jahres geplant. Die KEV-geförderte Anlage produziert mit einer elektrischen Leistung von 1040 kW sauberen erneuerbaren Strom für rund 1200 Haushalte.

Innovative Baumethoden


Zur Minimierung von ökologischen Auswirkungen und nicht zuletzt auch der Kosten kamen teils unkonventionelle Baumethoden zum Einsatz. So wurde für die rund 10 m tief im Grundwasser liegende Kraftwerkszentrale der Baugrubenaushub und die Bodenplatte mit Beihilfe von Tauchern unter Wasser ausgeführt. Die rund 530 m lange Druckleitung mit einem Innendurchmesser von 3,20 m wurde in Rohrvortriebstechnik gebaut. Dies verhinderte einen riesigen offenen Graben durch den Sammler der Rufi-Runse und erlaubte eine sichere und unterbruchsfreie Unterquerung der SBB-Bahnlinie sowie weiterer Infrastruktur. Der Vortrieb setzte hinsichtlich Linienführung neue Massstäbe: Der Kurvenradius von nur 300 m wurde bei diesem Rohrdurchmesser weltweit noch nie so geplant. Doch es sollte noch krasser kommen: Infolge der grossen Grundwasservorkommen wurde kurzerhand entschieden, den ursprünglich in offener Bauweise vorgesehenen obersten Teil der Druckleitung ebenfalls in Rohrvortriebstechnik aufzufahren: Der horizontalen Kurve wurde dadurch zusätzlich eine vertikale überlagert, was in einem Raumradius von nur noch 265 m resultierte. Dies war möglich dank der grossen Erfahrung der beteiligten Planer und Unternehmer, der Kurventechnik der Jackcontrol AG und nicht zuletzt der eingesetzten Tunnelbohrmaschine aus dem Hause Herrenknecht, welche bis heute den Weltrekord für den längsten Rohrvortrieb hält. Eine besondere Herausforderung stellte auch der Bau des einfeldrigen Wehrs in der Linth, welche zu diesem Zweck im Winter 2015/16 vollständig und hochwassersicher umgeleitet wurde. Beim Stahlwasserbau kam dabei einheimische Technik aus dem Hause Inauen Schätti zur Anwendung.

Ökologie und Technik Hand in Hand


In Zusammenarbeit mit den Kantonalen Fachstellen und den Umweltverbänden können mit dem Kraftwerksbau zahlreiche ökologische Verbesserungen erreicht werden. So bleibt durch das erstmals im Kanton Glarus eingesetzte automatische Hubsegmentwehr der natürliche Geschiebetrieb in der Linth praktisch unbeeinflusst, dies dank dem Einsatz von Gegengewichten unter Gewährleistung einer hohen passiven Hochwassersicherheit. Auch der Fischwanderung wird grosses Gewicht geschenkt: So wird der Fischaufstieg mit einem naturnahen Umgehungsgewässer so ausgebildet, dass er gleichzeitig als Lebensraum bzw. Rückzugsraum für Fische wirkt. Ein horizontaler Feinrechen und ein Fischabstieg bei der Fassung stellen zudem sicher, dass die Fische nicht nur flussaufwärts wandern, sondern auch ohne in das Kraftwerk zu geraten im Fluss absteigen können, was besonders für die Wanderung der Seeforelle und später vielleicht auch einmal für den Lachs wichtig ist. Die Restwassermenge liegt mit 2070 l/s als Folge der grossen Ausbauwassermenge praktisch beim natürlichen Abfluss der Linth an kalten Wintertagen, was zu einer bedeutenden ökologischen Aufwertung der durch das Kraftwerk genutzten Restwasserstrecke führt.