«Von 100 auf null»

Es war die einzige «offizielle» 1.-August-Feier in Glarus Süd. Organisiert wurde sie von der Gemeinde, von der Harmoniemusik Schwanden/Glarus Süd und vom Samariterverein Schwanden und Umgebung. Auf den üblichen Brunch hatte man verzichtet, doch sprach Gemeindepräsident Mathias Vögeli und die Nationalhymne erklang. Trotzdem war nichts wie sonst.



Zögernd, ja vorsichtig kamen die Besucherinnen und Besucher in kleinen Gruppen auf den Marktplatz im Grund, Schwanden, wo sonst die Tische und Schirme dicht an dicht stehen. Frau Landesstatthalter Marianne Lienhard mit ihrem Gatten, Gemeindepräsident Mathias Vögeli mit Gattin und Gemeinderat Kaspar Luchsinger waren zu Gast, die Harmoniemusik unterhielt mit einem Ständchen. Dank des sonnigen Wetters konnte man sich auf der Strasse mit genügend Distanz aufstellen. Wer teilnahm, wurde gebeten, sich auf einer Liste einzutragen – die netten Damen und Herren beim Getränkeverkauf trugen chirurgische Masken. Einige Kleinkinder funkten dazwischen und sorgten für Trubel, sonst war es sehr ruhig. Gemeindepräsident Mathias Vögeli zog in seiner Rede die Parallelen der Lockdownzeit mit dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Höher, Schneller, Weiter sei man von 100 auf null gebremst worden, aus der Hektik der Konsumgesellschaft zur Frage nach der Nachhaltigkeit gekommen. Obwohl viele von Freiheitsberaubung gesprochen hätten, sei die Lockdownzeit mit dem Zweiten Weltkrieg nicht zu vergleichen. «Wir mussten das Essen nicht rationieren. Das soziale System ist bestens ausgebaut und die Versorgungssicherheit war in allen Teilen und jederzeit gewährleistet.» Vögeli fragte nach den Lehren. «Eine solche Krise kann eine Chance sein, wieder näher zusammenzurücken und das Wir-Gefühl zu stärken.» Vögeli rief zu mehr Geduld, Verständnis, gegenseitigem Respekt und Anstand auf. «Die Schweiz hat nicht mit Polarisierung Erfolg gehabt, sondern wenn man sich auf Kompromisse geeinigt hat.» Insofern war diese 1.-August-Feier ein gut-schweizerischer Erfolg. Sie zeigte: Auch mit Social Distancing und Hygienerichtlinien lässt sich der Geburtstag der Schweiz würdig feiern.

Schlusswort aus der Rede von Mathias Vögeli an der 1.-August-Feier in Schwanden: 

«Wir können dankbar und mit Stolz das Schweizerkreuz auf der Brust tragen. Wir können stolz und dankbar auf unsere Sozialen Werke sein, die uns Sicherheit und Freiheit geben. Aber wir müssen alle unseren Beitrag dazu leisten, dass es so bleibt.
Die links rechts Poole müssen wieder näher zusammenkommen. Die Schweiz hat nicht mit Polarisierung Erfolg gehabt, sondern wenn man sich auf Kompromisse geeinigt hat. Es darf nie das Ziel sein, jemanden in der Persönlichkeit anzugreifen, sondern es muss immer um die Sache gehen. Das Schweizerkreuz symbolisiert das mit den 4 gleich grossen Quadraten, die unsere Sprachregionen symbolisieren und auch bei unserem Gemeinde-Wappen sind die 17 Zacken der Sonne gleich lang, die unsere 17 Dörfer symbolisieren.
Und denken Sie daran, das Schicksal trifft nicht alle gleich. Darum ist gegenseitiger Respekt und Anstand wichtig. Die Starken haben keinen Grund überheblich zu sein. Demut und Bescheidenheit stehen auch diesen gut an. 

Ich bin überzeugt:
«Wenn die Wurzeln tief sind, braucht man den Wind nicht zu fürchten.»

In diesem Sinne wünsche ich uns allen Kraft, die zukünftigen Herausforderungen zu meistern und auch aus dieser Krise die Lehren zu ziehen.
Geniessen Sie den schönen Geburtstag, nehmen Sie Zuversicht für die Zukunft mit.
Bleiben Sie gesund und hebed Sie witerhi Sorg, denn es ist noch nicht vorbei und freuen Sie sich an den kleinen Sachen im Leben, einmal werdet ihr zurückschauen und feststellen, dass auch die kleinen Sachen grossartig waren.

Herzlichen Dank fürs zuhören»