Trio bleu mit Einladung zu einer Reise durch Frankreich

Mit seiner kurzen Begrüssung machte Michael Eidenbenz klar, dass sich die interpretierenden Trios fast wie ein roter Faden durchs bemerkenswert vielfältige, wirklich attraktive Programm der 83. Musikwoche Braunwald durchziehen.




Trotz strahlend blauem Wetter fanden sich viele Musikfreunde im Saal des Märchenhotels Bellevue ein. Niemand hatte sein Kommen zu bereuen. Man wurde von den musizierenden Damen Julie Palloc (Harfe), Pamela Stahel (Flöte) und Karen Forster (Viola) – sie haben sich den Namen Trio bleu gegeben – mit ihrem musikalischen Ausflug durch Frankreich richtiggehend verwöhnt. In willkommener Kürze machte Pamela Stahel Hinweise zu den Werken und den verschiedenen Komponisten. Man spürte die hervorragende Abgestimmtheit, das kluge Ausgestalten und nahm mit viel Freude und Anteilnahme die gestalterische Kunst wahr. Es wuchsen gar wundersame Stimmungen, erstmals bei der «Pavane pour une infante défunte» von Maurice Ravel (1875 – 1937). Es schloss die «Petite Suite» von André Jolivet (1905 – 1974) an. Eigentlich hätte der Komponist Lehrer werden sollen, obwohl er der Malerei, später auch der Musik sehr zugetan war – glücklicherweise. Eine bewegende Träumerei klang mit der Wiedergabe des ersten Satzes auf. Die Harfenistin begleitete einfühlend, markante Akzente setzend, übte sich aber zumeist in kluger Zurückhaltung, baute so etwas wie ein wundersames Fundament, tat sich zuweilen solistisch hervor. Keines der Instrumente empfand man als dominierend. Es war eine erfüllende, innige Gesamtheit, gestaltet mit wirbligem, fröhlichem Spiel, so virtuos und heiter. Schnelle Tempi wurden mit grosser Intensität gespielt, wirblig, farbig, mit oft verstecktem, aber deutlichem Schalk.

François Devienne (1759 – 1803) schrieb mehrere Duos für Flöte und Viola. Von Mozart, so die Erläuterung, sei er enorm beeindruckt gewesen, habe sich von dessen Kompositionskunst stark inspirieren lassen. Pamela Stahel bespielte die Piccoloflöte, einfühlsam, kecke Tempi wählend, die sich mit der Viola fortsetzten. Das war gar wirbliger, lieblicher Tanz. Manchmal vermeinte man einen rumhüpfenden, gar kecke Eskapaden vollführend Vogel zu folgen. Das war gar elegant, anmutig, voll ansteckender Fröhlichkeit. Marcel Tournier (1879 – 1951) schrieb «Lolita, la danseuse» für Harfe. Man durfte während der beeindruckend wechselvollen Interpretation die Spielkunst der Harfenistin in erfüllender Weise erfahren, einmal ganz still, zurückhaltend, dann wieder gar markant.

Zum Schluss dieses knapp einstündigen, ungemein wechselvollen Begegnens klang eine Sonate von Claude Debussy (1862 – 1918), ursprünglich für zwei Geigen und Bc. geschrieben, auf. Und wieder gedieh vieles zum inhaltsstarken, malerischen Erzählen, mit viel Spannung, Verspieltheit, Anmut, mit zurückhaltend ruhigen Momenten. Es schlossen in einem weiteren Satz trotzige, gebieterische Aussagen an. Fast bedauernd nahm man vom Schluss Kenntnis. Die Fülle an Emotionen, so kunstreich und mit hoher Spielkultur ausgedrückt, hatten begreiflich grosse Freude ausgelöst. Ein herzlicher, langer Applaus führte zu einer neckischen Zugabe.